Können Schadstoffe aus den Deckeldichtungen der Gläschen in die Babynahrung übergehen?

Melden

Ja, theoretisch können Schadstoffe aus den Deckeldichtungen in die Babynahrung übergehen. Dies war in der Vergangenheit ein großes Thema, aber die gute Nachricht ist: Heutzutage ist das Risiko bei herkömmlicher Babynahrung aus dem Supermarkt sehr gering.

Hier sind die Details, die du dazu wissen solltest:

1. Das Problem in der Vergangenheit: ESBO und Weichmacher

Früher enthielten die Dichtungsringe in den Deckeln oft PVC (Polyvinylchlorid). Um dieses Material elastisch zu machen, wurden Weichmacher verwendet, wie zum Beispiel ESBO (epoxidiertes Sojabohnenöl) oder Phthalate. Da Babynahrung oft fetthaltig ist (z. B. durch beigefügte Öle), konnten diese Stoffe aus der Dichtung gelöst werden und in die Nahrung wandern („Migration“).

2. Die Lösung: „Blue Seal“ und PVC-freie Deckel

Um dieses Problem zu lösen, haben fast alle großen Hersteller von Babynahrung (wie Hipp, Milupa, Bebivita etc.) auf PVC-freie Deckel umgestellt.

  • Woran erkennt man das? Viele Deckel haben auf der Innenseite einen blauen Dichtungsring (bekannt als „Blue Seal“). Dieser besteht aus thermoplastischen Elastomeren (TPE), die keine flüchtigen Weichmacher benötigen.
  • Auch wenn die Dichtung weiß ist, geben die meisten Hersteller heute an, dass ihre Deckel PVC-frei und frei von Bisphenol A (BPA) sind.

3. Strenge gesetzliche Grenzwerte

In der EU gelten für Materialien, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen, sehr strenge Grenzwerte – besonders für Säuglingsnahrung. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und die EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) überwachen diese Migration von Stoffen. Die Grenzwerte sind so niedrig angesetzt, dass selbst bei einem Übergang geringster Mengen keine Gesundheitsgefahr für das Baby besteht.

4. Was du als Elternteil beachten kannst:

Obwohl die Industrie das Problem weitgehend gelöst hat, kannst du auf folgende Punkte achten:

  • Achte auf das Etikett: Viele Hersteller werben explizit mit „PVC-frei“ oder „BPA-frei“.
  • Prüfe den blauen Ring: Wenn du den Deckel öffnest, ist ein blauer Ring in der Innenseite ein sicheres Zeichen für eine weichmacherfreie Dichtung.
  • Lagerung: Lagere Gläschen stehend, damit die Nahrung nicht dauerhaft direkten Kontakt mit dem Deckel hat (auch wenn dies bei modernen Deckeln weniger kritisch ist).
  • Vorsicht beim Wiederverwenden: Wenn du leere Gläschen zum Einfrieren oder Aufbewahren von eigener (besonders öliger) Babynahrung nutzt, solltest du darauf achten, dass der Deckel PVC-frei ist. Alte Deckel von herkömmlichen Konservengläsern (Gurken, Marmelade) haben oft noch PVC-haltige Dichtungen.

Fazit: Bei den gängigen Markenprodukten für Babys musst du dir heute keine Sorgen mehr machen. Die Umstellung auf PVC-freie Dichtungen hat die Belastung durch Schadstoffe aus Deckeln so gut wie eliminiert.

0