Welche Nährstoffe gelten in der Schwangerschaft als besonders kritisch?
In der Schwangerschaft steigt der Bedarf an bestimmten Vitaminen und Mineralstoffen deutlich stärker an als der Energiebedarf (die Kalorienmenge). Man isst also nicht „für zwei“ im Sinne der Menge, sondern „für zwei“ im Sinne der Qualität.
Hier sind die Nährstoffe, die in Deutschland von Fachgesellschaften (wie der DGE) als besonders kritisch eingestuft werden:
1. Folsäure (Vitamin B9) – Das wichtigste Vitamin zu Beginn
Folsäure ist entscheidend für die Zellteilung und die Entwicklung des Nervensystems.
- Warum: Ein Mangel kann zu Neuralrohrdefekten (z. B. „offener Rücken“) beim Baby führen.
- Empfehlung: Da der Bedarf allein durch die Nahrung kaum zu decken ist, wird die Einnahme von 400 µg Folsäure in Tablettenform empfohlen – idealerweise schon vor der Empfängnis bis zum Ende des ersten Drittels.
2. Jod – Für die geistige Entwicklung
Jod ist ein Baustein für die Schilddrüsenhormone von Mutter und Kind.
- Warum: Es ist wichtig für das körperliche Wachstum und die Gehirnentwicklung des Babys.
- Empfehlung: Schwangere sollten zusätzliches Jod (meist 100–150 µg) einnehmen und im Alltag jodiertes Speisesalz verwenden. (Ausnahme: Schilddrüsenerkrankungen wie Hashimoto – hier Rücksprache mit dem Arzt halten).
3. Eisen – Für die Blutbildung
In der Schwangerschaft erhöht sich das Blutvolumen der Mutter um bis zu 50 %, und das Baby muss eigene Eisenvorräte anlegen.
- Warum: Eisenmangel führt zu Müdigkeit bei der Mutter und kann das Geburtsgewicht des Kindes beeinflussen.
- Empfehlung: Der Bedarf verdoppelt sich fast. Eisen aus Fleisch kann der Körper besser aufnehmen als aus Pflanzen. Tipp: Eisenreiche Lebensmittel (Hülsenfrüchte, Vollkorn) mit Vitamin C (z. B. Orangensaft) kombinieren, um die Aufnahme zu verbessern. Supplemente nur nach ärztlicher Rücksprache (da sie Verstopfung verursachen können).
4. Docosahexaensäure (DHA) – Omega-3-Fettsäuren
DHA ist eine langkettige, mehrfach ungesättigte Fettsäure.
- Warum: Sie ist essenziell für die Entwicklung des Gehirns und der Netzhaut der Augen beim Fötus.
- Empfehlung: Schwangere, die nicht mindestens ein- bis zweimal pro Woche fetten Seefisch (wie Lachs, Hering oder Makrele) essen, sollten ca. 200 mg DHA pro Tag supplementieren (z. B. über Algenöl oder Fischölkapseln).
5. Vitamin D – Für den Knochenaufbau
Vitamin D unterstützt die Aufnahme von Calcium in die Knochen.
- Warum: Es ist wichtig für die Skelettentwicklung des Kindes und das Immunsystem.
- Empfehlung: Da wir Vitamin D durch Sonnenlicht in der Haut bilden, herrscht in Deutschland (besonders im Winter) oft ein Mangel. Eine Supplementierung von 800 IE (20 µg) wird oft empfohlen, sollte aber idealerweise per Bluttest abgeklärt werden.
6. Calcium
Wird für den Aufbau der kindlichen Knochen und Zähne benötigt.
- Warum: Bekommt das Baby zu wenig Calcium über die Nahrung der Mutter, bedient es sich an den Calciumdepots (Knochen) der Mutter.
- Empfehlung: Reichlich Milchprodukte, calciumreiches Mineralwasser (> 400 mg/l) oder grünes Gemüse (Brokkoli, Grünkohl) verzehren.
7. Magnesium
- Warum: Magnesiummangel kann zu Wadenkrämpfen führen und im Extremfall vorzeitige Wehen begünstigen.
- Empfehlung: Auf Vollkornprodukte, Nüsse und Saaten achten. Bei Krämpfen kann ein Supplement nach Absprache mit der Hebamme oder dem Arzt helfen.
Besonderheit für Vegetarierinnen & Veganerinnen
- Vitamin B12: Bei rein pflanzlicher Ernährung muss B12 supplementiert werden, da ein Mangel schwere neurologische Schäden beim Kind verursachen kann. Auch bei Vegetarierinnen sollte der Wert geprüft werden.
Wichtiger Hinweis: Bevor Sie Nahrungsergänzungsmittel einnehmen, sollten Sie dies immer mit Ihrem Frauenarzt oder Ihrer Frauenärztin besprechen. Ein Bluttest kann zeigen, ob tatsächlich ein Mangel vorliegt, um eine Überdosierung (insbesondere bei Vitamin A oder D) zu vermeiden.