Welche Folgen hat die Nutzung einer falschen Schneekettengröße für die Reifen und das Fahrzeug?

Melden

Die Verwendung von Schneeketten in der falschen Größe ist nicht nur ein technisches Problem, sondern ein erhebliches Sicherheitsrisiko. Die Folgen lassen sich in Schäden am Reifen, Schäden am Fahrzeug und Auswirkungen auf die Fahrsicherheit unterteilen.

Hier sind die detaillierten Konsequenzen:

1. Schäden an den Reifen

  • Einschnitte und Druckstellen: Sind die Ketten zu klein, stehen sie unter extremer Spannung. Die Kettenglieder können sich tief in das Gummi der Lauffläche oder – noch gefährlicher – in die empfindliche Reifenflanke einschneiden.
  • Scheuerstellen: Sind die Ketten zu groß, sitzen sie locker. Durch die Fliehkraft bei der Fahrt schlagen die Ketten ständig gegen den Reifen und verursachen massiven Abrieb und punktuelle Beschädigungen.
  • Beschädigung der Felge: Zu lockere oder unpassende Ketten können verrutschen und die Felgenhörner oder das Felgendesign zerkratzen oder durch heftige Schläge verformen.

2. Schäden am Fahrzeug (Mechanik und Karosserie)

Dies ist oft der kostspieligste Teil der Folgeschäden, insbesondere wenn die Ketten zu groß sind oder sich lösen:

  • Radhäuser und Karosserie: Zu große Ketten weiten sich durch die Fliehkraft aus („Aufbauchen“). Sie schlagen dann gegen die Radhausverkleidungen (Kunststoff), die Kotflügelkanten oder die Stoßstange.
  • Bremsleitungen und ABS-Sensoren: Dies ist das gefährlichste Szenario. Eine schlagende oder reißende Kette kann die Bremsleitungen durchtrennen oder die Kabel der ABS/ESP-Sensoren abreißen. Ein plötzlicher Verlust der Bremsflüssigkeit führt zum Bremsversagen.
  • Radaufhängung und Federung: Ketten, die nicht fest sitzen, können sich an Stoßdämpfern, Federbeinen oder Querlenkern verfangen. Dies kann zu massiven mechanischen Schäden während der Fahrt führen.
  • Antriebswellen: Wenn eine zu große Kette abspringt und sich um die Antriebswelle wickelt, kann dies das Getriebe oder die Achsmanschetten zerstören.

3. Auswirkungen auf die Fahrsicherheit

  • Traktionsverlust: Eine Kette, die nicht optimal auf dem Reifen liegt, kann ihre Aufgabe (Grip im Schnee/Eis) nicht erfüllen. Das Fahrzeug kann ausbrechen oder hängen bleiben.
  • Starke Vibrationen: Eine falsche Passform erzeugt eine enorme Unwucht. Dies führt zu starken Vibrationen im Lenkrad, die die Kontrolle über das Fahrzeug erschweren und die Radlager vorzeitig verschleißen lassen.
  • Reißen der Kette: Eine zu kleine Kette steht unter so hoher Spannung, dass die Verschlussglieder oder die Kettenglieder selbst bei Belastung (Anfahren, Bremsen) reißen können. Die peitschende Kette verursacht dann die oben genannten Karosserieschäden.

4. Rechtliche und finanzielle Folgen

  • Erlöschen des Versicherungsschutzes: Die Verwendung ungeeigneter Ausrüstung kann von der Versicherung als grobe Fahrlässigkeit gewertet werden. Im Schadensfall bleibst du unter Umständen auf den Kosten sitzen.
  • Bußgelder: Wenn Schneekettenpflicht herrscht (Verkehrszeichen 268), gilt diese Pflicht nur als erfüllt, wenn die Ketten technisch passen und vorschriftsmäßig montiert sind.

Fazit und Empfehlung:

Prüfe vor dem Kauf und vor der Montage zwingend die Reifendimension (z. B. 205/55 R16) und vergleiche sie mit den Angaben auf der Schneekettenverpackung.

Tipp: Lege die Ketten einmal im Trockenen (z. B. in der Garage oder auf dem Hof) zur Probe an, bevor du in die Berge fährst. So merkst du sofort, ob die Größe stimmt und ob genug Platz zum Radhaus und zu den Fahrwerksteilen vorhanden ist.

0