Ist die Schriftgröße in gedruckten Tageszeitungen für Menschen mit Sehschwäche oft zu klein?
Ja, die Schriftgröße in gedruckten Tageszeitungen wird von vielen Menschen mit Sehschwäche – und auch von vielen Senioren – als zu klein empfunden.
Hier sind die wichtigsten Gründe und Hintergründe für dieses Problem:
1. Der Standard: 8 bis 9 Punkt
In der Zeitungsbranche ist eine Schriftgröße von 8 bis 9 Punkt (pt) für den Fließtext üblich. Zum Vergleich:
- Bücher haben meist 10 bis 12 pt.
- Großdruck-Ausgaben (für Sehbehinderte) beginnen oft erst bei 14 pt.
- Behördenempfehlungen für Barrierefreiheit raten oft zu mindestens 12 pt.
2. Mangelnder Kontrast und Papierqualität
Nicht nur die Größe ist ein Problem, sondern auch der Kontrast:
- Graues Papier: Zeitungsdruck erfolgt auf recyclingfähigem, eher gräulichem Papier. Der Kontrast zwischen der schwarzen Tinte und dem Hintergrund ist daher geringer als bei reinweißem Hochglanzpapier.
- Dünnes Papier: Manchmal scheint der Text der Rückseite durch („Show-through“), was das Lesen zusätzlich erschwert.
3. Warum drucken Zeitungen nicht einfach größer?
Es gibt vor allem wirtschaftliche und praktische Gründe:
- Platzmangel: Eine größere Schrift würde bedeuten, dass deutlich weniger Informationen auf eine Seite passen.
- Kosten: Mehr Seiten führen zu höheren Papierkosten, höheren Druckkosten und höheren Portokosten für die Zustellung.
- Layout: Die typischen engen Spalten einer Zeitung sind für sehr große Schriften grafisch schwer umzusetzen (viele Trennungen, unschöne Lücken).
4. Die Lösung: Digitalisierung
Da die gedruckte Zeitung ein starres Medium ist, weichen immer mehr Menschen mit Sehschwäche auf digitale Angebote aus:
- E-Paper & Apps: Hier lässt sich die Schriftgröße individuell anpassen (Zoom-Funktion oder Text-Modus).
- Kontrastmodi: Viele Tablets bieten einen „Nachtmodus“ (weiße Schrift auf schwarzem Grund), der für manche Augenerkrankungen angenehmer ist.
- Vorlesefunktionen: Digitale Zeitungen können Artikel per Knopfdruck vorlesen.
5. Hilfsmittel für die gedruckte Zeitung
Wer dennoch nicht auf das Papier verzichten möchte, nutzt oft:
- Lese-Lineale oder Lese-Lupen (oft mit integriertem Licht).
- Elektronische Sehhilfen (Bildschirmlesegeräte), die den Zeitungstext auf einen Monitor übertragen und dort massiv vergrößern und den Kontrast verstärken können.
Fazit: Für Menschen mit Sehschwäche ist die klassische Tageszeitung in gedruckter Form tatsächlich eine Barriere. Der Trend geht daher klar dahin, dass diese Zielgruppe die Vorteile der digitalen Lesbarkeit nutzt.