Welche Barrieren entstehen, wenn Lichtschalter für Kinder oder Rollstuhlfahrer zu hoch montiert sind?

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Wenn Lichtschalter zu hoch montiert sind (üblicherweise auf der Standardhöhe von ca. 105 bis 110 cm statt der barrierefreien 85 cm), entstehen vielfältige Barrieren. Diese lassen sich in physische, psychologische und sicherheitsrelevante Aspekte unterteilen:

1. Physische Barrieren und funktionale Einschränkungen

  • Unerreichbarkeit: Rollstuhlfahrer können den Schalter aus der sitzenden Position oft nicht erreichen, da ihr Greifraum nach oben begrenzt ist (besonders wenn sie nicht seitlich heranfahren können). Kinder sind schlicht zu klein.
  • Anstrengung und Überstreckung: Selbst wenn der Schalter mit Mühe erreicht wird, führt dies zu einer unnatürlichen Überstreckung des Rückens oder der Arme, was Schmerzen verursachen oder das Gleichgewicht im Rollstuhl gefährden kann.
  • Notwendigkeit von Hilfsmitteln: Kinder fangen an, auf instabile Gegenstände (Hocker, Stühle) zu klettern, um den Schalter zu erreichen. Rollstuhlfahrer müssen oft Greifhilfen oder andere improvisierte Werkzeuge benutzen.

2. Verlust der Autonomie und Selbstständigkeit

  • Abhängigkeit von Dritten: Die betroffenen Personen können grundlegende Funktionen ihres Wohnumfelds nicht selbst steuern. Sie müssen andere bitten, das Licht an- oder auszuschalten. Dies untergräbt das Gefühl der Selbstbestimmung.
  • Einschränkung der Bewegungsfreiheit: Wenn man weiß, dass man das Licht in einem Raum nicht selbst einschalten kann, meidet man diesen Raum bei Dunkelheit oder dämmrigem Licht.

3. Sicherheitsrisiken

  • Sturzgefahr im Dunkeln: Wenn der Lichtschalter beim Betreten eines Raumes nicht erreichbar ist, müssen sich Personen im Dunkeln vortasten. Für Rollstuhlfahrer erhöht dies das Risiko, gegen Hindernisse zu fahren; für Kinder steigt die Gefahr des Stolperns.
  • Unfallgefahr durch "Improvisation": Wie erwähnt, birgt das Klettern von Kindern auf Möbeln ein hohes Sturzrisiko.
  • Gefahrensituationen: In Notsituationen (z. B. Rauchentwicklung oder Panik) ist es essenziell, das Licht sofort einschalten zu können. Eine zu hohe Montage verzögert die Orientierung massiv.

4. Psychologische Barrieren

  • Frustration und Ausgrenzung: Die bauliche Umwelt signalisiert den Betroffenen: "Dieses Gebäude wurde nicht für dich geplant." Dies führt zu einem Gefühl der Exklusion (Ausgrenzung).
  • Angst: Besonders bei Kindern kann die Unfähigkeit, das Licht einzuschalten, Angst vor der Dunkelheit verstärken und das Sicherheitsgefühl im eigenen Zuhause beeinträchtigen.

5. Soziale Barrieren

  • Eingeschränkte Gastfreundschaft: Ein Rollstuhlfahrer, der zu Besuch ist, kann sich in einer Wohnung mit zu hohen Schaltern nicht frei bewegen, ohne ständig um Hilfe bitten zu müssen. Das erzeugt ein Gefühl der Last für den Gast.

Die Lösung: DIN 18040

Um diese Barrieren zu vermeiden, sieht die Norm für barrierefreies Bauen (DIN 18040-2) vor, dass Bedienelemente (Lichtschalter, Türdrücker, Thermostate) in einer Höhe von 85 cm montiert werden sollten. Diese Höhe ist sowohl für Rollstuhlfahrer als auch für Kinder und stehende Erwachsene (mit leichtem Beugen des Arms) komfortabel erreichbar.

Zusatz-Tipp: Moderne Smart-Home-Lösungen oder Funk-Schalter, die beliebig tief an die Wand geklebt werden können, sind oft eine gute Nachrüstmöglichkeit, um bestehende Barrieren ohne Aufklopfen der Wände zu beheben.

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