Welche allergischen Reaktionen können durch künstliche Farbstoffe in Gummibärchen ausgelöst werden?
Künstliche Farbstoffe in Gummibärchen, insbesondere die sogenannten Azofarbstoffe, stehen seit langem im Verdacht, verschiedene gesundheitliche Reaktionen auszulösen.
Es ist wichtig zu unterscheiden: In den meisten Fällen handelt es sich nicht um eine klassische Allergie (IgE-vermittelt), sondern um eine Pseudoallergie. Das bedeutet, der Körper reagiert zwar mit ähnlichen Symptomen wie bei einer Allergie, das Immunsystem bildet jedoch keine spezifischen Antikörper.
Hier sind die häufigsten Reaktionen und die verantwortlichen Stoffe im Überblick:
1. Symptome auf der Haut
Dies sind die am häufigsten beobachteten Reaktionen:
- Nesselsucht (Urtikaria): Es bilden sich rote, juckende Quaddeln auf der Haut.
- Juckreiz (Pruritus): Allgemeines Kribbeln oder Brennen der Haut.
- Schwellungen (Angioödeme): Plötzliche Schwellungen der Lippen, Augenlider oder Schleimhäute.
2. Atemwegsbeschwerden
Besonders Menschen, die bereits an Asthma leiden oder eine Unverträglichkeit gegenüber Aspirin (Acetylsalicylsäure) haben, reagieren empfindlich:
- Asthmatische Anfälle: Verengung der Atemwege und Atemnot.
- Fließschnupfen: Ähnlich wie bei Heuschnupfen.
3. Magen-Darm-Beschwerden
- Übelkeit
- Bauchschmerzen
- Durchfall
4. Neurologische und Verhaltenssymptome
Hier ist vor allem der Zusammenhang mit der Aufmerksamkeit bekannt:
- Hyperaktivität: In der EU müssen Lebensmittel, die bestimmte Azofarbstoffe enthalten, den Warnhinweis tragen: "Kann Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern beeinträchtigen."
- Kopfschmerzen und Migräne: Bei empfindlichen Personen können künstliche Farbstoffe Anfälle triggern.
Welche Farbstoffe sind besonders problematisch?
Die kritischsten Stoffe gehören zur Gruppe der Azofarbstoffe (auch "Southampton Six" genannt):
- Tartrazin (E 102): Gelb. Gilt als der Farbstoff mit dem höchsten Potenzial für Pseudoallergien.
- Chinolingelb (E 104): Gelb/Grüngelb.
- Gelborange S (E 110): Orange.
- Azorubin (E 122): Rot.
- Cochenillerot A (E 124): Rot.
- Allurarot AC (E 129): Rot.
Besonderheit: Echtes Karmin (E 120)
Obwohl es ein "natürlicher" Farbstoff ist (gewonnen aus Schildläusen), kann Echtes Karmin im Gegensatz zu den künstlichen Azofarbstoffen echte, schwere IgE-vermittelte Allergien bis hin zum anaphylaktischen Schock auslösen.
Worauf sollte man achten?
- Zutatenliste lesen: In der EU müssen alle Farbstoffe mit Namen oder E-Nummer angegeben werden.
- Natürliche Alternativen: Viele Hersteller (wie z. B. Haribo in Deutschland) haben ihre Rezepturen umgestellt und nutzen heute überwiegend färbende Lebensmittel wie Konzentrate aus Karotten, Kürbis, Spirulina, Rote Bete oder Holunderbeeren. Diese sind in der Regel unbedenklich.
- Kreuzallergien: Wenn Sie auf Aspirin (Salicylate) reagieren, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Sie auch auf Azofarbstoffe (besonders Tartrazin) reagieren.
Hinweis: Wenn Sie nach dem Verzehr von Gummibärchen Symptome bemerken, empfiehlt es sich, ein Ernährungstagebuch zu führen und einen Allergologen aufzusuchen, um eine gezielte Provokationstestung durchzuführen.