Was versteht man unter dem sogenannten "Ghosting-Effekt" bei PC-Monitoren?
Unter dem Ghosting-Effekt (oft auch als „Schlierenbildung“ bezeichnet) versteht man bei PC-Monitoren ein visuelles Artefakt, bei dem hinter einem bewegten Objekt auf dem Bildschirm eine geisterhafte Spur oder ein Schatten zurückbleibt.
Hier ist eine detaillierte Erklärung, wie es dazu kommt und was man dagegen tun kann:
1. Wie sieht Ghosting aus?
Stellen Sie sich vor, Sie bewegen den Mauszeiger schnell über einen dunklen Hintergrund oder spielen einen schnellen Shooter, bei dem ein Gegner durch das Bild rennt. Beim Ghosting sieht es so aus, als ob das Objekt „verschmiert“. Es bleibt ein unscharfer Abdruck der vorherigen Position des Objekts für Bruchteile einer Sekunde sichtbar, bevor er verblasst.
2. Warum entsteht Ghosting?
Die Hauptursache ist eine zu langsame Reaktionszeit (Response Time) der Pixel des Monitors.
- Ein Monitorbild besteht aus Millionen von Pixeln, die ihre Farbe ändern müssen, wenn sich das Bild bewegt.
- Wenn ein Pixel nicht schnell genug von einer Farbe zur nächsten wechseln kann, zeigt er noch die „alte“ Farbe an, während sich das Objekt eigentlich schon weiterbewegt hat.
- Besonders häufig tritt dies bei Übergängen von Schwarz zu Dunkelgrau auf (typisch für VA-Panels).
3. Panel-Typen und Ghosting
Nicht alle Monitore sind gleichermaßen anfällig:
- VA-Panels: Diese haben oft den besten Kontrast, aber die langsamsten Reaktionszeiten, weshalb sie am stärksten zu Ghosting (besonders „Dark Smearing“) neigen.
- IPS-Panels: Sie bieten einen guten Kompromiss aus Farbtreue und Geschwindigkeit. Ghosting ist hier meist geringer als bei VA-Panels.
- TN-Panels: Diese waren lange Zeit der Standard für Gamer, da sie sehr schnelle Reaktionszeiten haben und Ghosting kaum ein Thema ist (dafür sind Farben und Blickwinkel schlechter).
- OLED-Monitore: Diese haben nahezu eine Reaktionszeit von Null. Hier gibt es technisch bedingt so gut wie kein Ghosting.
4. Ghosting vs. Inverse Ghosting (Overshoot)
Es gibt noch einen verwandten Effekt: Wenn man versucht, Ghosting durch Monitor-Einstellungen zu korrigieren (siehe „Overdrive“ unten), kann Inverse Ghosting entstehen. Dabei sieht man keinen dunklen Schatten, sondern eine helle, leuchtende Korona hinter dem Objekt. Das passiert, wenn die Pixel mit zu viel Spannung versorgt werden und über ihr Ziel-Farbergebnis „hinausschießen“.
5. Was kann man dagegen tun?
Wenn Sie Ghosting bei Ihrem Monitor bemerken, können Sie folgende Schritte versuchen:
- Overdrive-Einstellungen (AMA / Response Time): Fast jeder moderne Gaming-Monitor hat im Menü (OSD) eine Einstellung namens „Overdrive“, „Reaktionszeit“ oder „Trace Free“.
- Stufe erhöhen: Verringert Ghosting.
- Zu hohe Stufe: Erzeugt das oben erwähnte „Inverse Ghosting“ (weiße Ränder). Man muss hier die goldene Mitte finden.
- Bildwiederholrate (Hz) erhöhen: Stellen Sie sicher, dass Ihr Monitor auch wirklich mit der maximal möglichen Frequenz läuft (z. B. 144 Hz statt 60 Hz). Ein flüssigeres Bild reduziert die Wahrnehmung von Schlieren.
- Motion Blur Reduction (MBR): Viele Monitore haben Funktionen wie ULMB, DyAc oder ELMB. Dabei wird das Backlight des Monitors zwischen den Einzelbildern kurz ausgeschaltet (Strobe-Effekt), um die Bewegungsschärfe drastisch zu erhöhen.
- Kabel prüfen: In seltenen Fällen können minderwertige oder zu lange Kabel Bildstörungen verursachen, die wie Ghosting wirken (obwohl das meist eher ein Problem analoger Technik war).
Fazit
Ghosting ist vor allem für Gamer ein Problem, da es die Bildklarheit bei schnellen Bewegungen reduziert und die Orientierung erschweren kann. Beim Arbeiten im Office oder beim Filmschauen fällt es meistens kaum ins Gewicht. Wer extrem empfindlich darauf reagiert, sollte beim Kauf auf IPS-Panels mit niedriger GtG-Reaktionszeit (Gray-to-Gray) oder direkt auf OLED setzen.