Was passiert mit dem Toilettenpapier nach dem Herunterspülen im Abwassersystem?
Der Weg des Toilettenpapiers nach dem Herunterspülen ist eine Reise durch ein komplexes technisches System. Hier ist Schritt für Schritt erklärt, was passiert:
1. Die Auflösung (im Abflussrohr)
Schon kurz nach dem Spülen beginnt der wichtigste Prozess: Toilettenpapier ist so konzipiert, dass es sich in Verbindung mit Wasser und durch die mechanische Bewegung beim Transport in den Rohren sehr schnell in seine Einzeltextilfasern (Zellulose) zersetzt.
- Wichtig: Das unterscheidet es von Küchenrolle, Taschentüchern oder Feuchttüchern, die reißfest sind und sich nicht auflösen.
2. Der Weg durch die Kanalisation
Das zerfaserte Papier schwimmt zusammen mit dem Abwasser durch das Kanalsystem. In flachen Gebieten helfen Pumpstationen nach, das Wasser zum nächsten Klärwerk zu befördern. Da das Papier nun meist nur noch ein "Faserbrei" ist, verstopft es im Idealfall die Rohre nicht.
3. Ankunft in der Kläranlage (Mechanische Reinigung)
In der Kläranlage angekommen, durchläuft das Abwasser zuerst die Rechenanlage.
- Grobe Teile (wie eben jene fälschlicherweise heruntergespülten Feuchttücher oder Hygieneartikel) werden hier herausgefiltert.
- Das bereits stark zersetzte Toilettenpapier ist oft schon so fein zerfallen, dass ein Teil der Fasern den Rechen passiert und in die nächsten Stufen gelangt.
4. Die biologische Stufe
Im Belebungsbecken kommen Mikroorganismen (Bakterien) zum Einsatz. Diese ernähren sich von organischen Stoffen. Da Toilettenpapier aus Holz (Zellulose) besteht, ist es biologisch abbaubar. Die Bakterien bauen die feinen Zellulosefasern ab und wandeln sie in Biomasse um.
5. Der Klärschlamm
Die Reste des Toilettenpapiers, die nicht vollständig von Bakterien "gefressen" wurden, setzen sich zusammen mit anderen Feststoffen am Boden der Becken als Klärschlamm ab.
6. Was passiert am Ende mit dem Schlamm?
Der Klärschlamm wird meist in Faultürmen weiterbehandelt:
- Energiegewinnung: Mikroorganismen zersetzen den Schlamm weiter, wobei Methangas (Biogas) entsteht. Dieses wird oft direkt im Klärwerk verbrannt, um Strom und Wärme für die Anlage zu erzeugen.
- Entsorgung: Der übrig bleibende, getrocknete Schlamm wird in Deutschland heute meistens verbrannt (thermische Verwertung). Früher wurde er oft als Dünger auf Felder ausgebracht, was wegen der enthaltenen Schadstoffe (Schwermetalle, Mikroplastik aus anderen Quellen) heute stark eingeschränkt ist.
Das Problem: Feuchttücher und "falsches" Papier
Während herkömmliches Toilettenpapier kein Problem darstellt, verursachen andere Produkte massive Kosten:
- Feuchttücher: Sie bestehen oft aus Kunststofffasern oder verfestigten Vliesen. Sie lösen sich nicht auf, sondern verknoten sich in der Kanalisation zu riesigen Zöpfen (sogenannten "Verzopfungen"), die Pumpen zerstören und Rohre verstopfen.
- Küchenrolle/Taschentücher: Sie sind "nassfest" gemacht, damit sie bei Benutzung nicht sofort reißen. Im Abwasser führt genau das dazu, dass sie den Weg zur Kläranlage oft unbeschadet überstehen und die Rechen verstopfen.
Fazit: Toilettenpapier wird am Ende seiner Reise entweder zu Energie (Biogas), Wärme (Verbrennung) oder – in sehr geringen Mengen – zu einem Bestandteil von Düngeraschen.