Was sind die Folgen einer Überdosierung von Entschäumer-Tabletten für das Abwassersystem?
Eine Überdosierung von Entschäumer-Tabletten (oft auf Silikonölbasis wie Polydimethylsiloxan oder auf Basis von Fettsäuren) hat in der Regel keine katastrophalen Auswirkungen auf die häuslichen Rohrleitungen, kann aber die biologischen und mechanischen Prozesse in Kläranlagen (insbesondere in Kleinkläranlagen) empfindlich stören.
Hier sind die spezifischen Folgen einer Überdosierung für das Abwassersystem:
1. Beeinträchtigung der biologischen Reinigung (Sauerstoffmangel)
Das ist das Hauptproblem bei einer Überdosierung. Entschäumer wirken, indem sie die Oberflächenspannung des Wassers verändern.
- Folge: Ein zu hoher Anteil an Entschäumer kann einen dünnen Film auf der Wasseroberfläche in der Kläranlage bilden. Dieser Film behindert den Gasaustausch.
- Auswirkung: Die Mikroorganismen (Bakterien), die für den Abbau von Schadstoffen zuständig sind, erhalten nicht mehr genügend Sauerstoff. Die Reinigungsleistung sinkt, und im schlimmsten Fall sterben die Bakterienkulturen ab („Umkippen“ der Anlage).
2. Störung der Schlammabsetzung (Sedimentation)
In Klärbecken muss sich der Klärschlamm am Boden absetzen, damit das klare Wasser oben abfließen kann.
- Folge: Überdosierte Entschäumer können die Flockenbildung des Schlamms beeinflussen.
- Auswirkung: Der Schlamm setzt sich schlechter ab oder bleibt in der Schwebe. Dies führt dazu, dass getrübtes, schlammhaltiges Wasser in den Ablauf und damit in die Umwelt (Bäche, Versickerung) gelangt.
3. Probleme bei Membranfilteranlagen
Moderne Kleinkläranlagen arbeiten oft mit Membranbioreaktoren (MBR), die das Wasser durch extrem feine Filter pressen.
- Folge: Silikonbasierte Entschäumer sind dafür bekannt, dass sie die Poren dieser Membranen verstopfen können (sogenanntes „Fouling“).
- Auswirkung: Die Filter müssen aufwendig chemisch gereinigt oder sogar vorzeitig ersetzt werden, was hohe Kosten verursacht.
4. Ablagerungen in den Rohrleitungen
Obwohl Entschäumer dazu da sind, Schaum zu lösen, sind sie in hoher Konzentration oft ölig oder fettig.
- Folge: In Verbindung mit anderen Abwasserinhaltsstoffen (wie Kalk oder Haaren) können sich klebrige Rückstände an den Rohrwandungen bilden.
- Auswirkung: Langfristig erhöht dies das Risiko für Rohrverstopfungen, da sich weitere Feststoffe leichter an den klebrigen Stellen festsetzen können.
5. Umweltbelastung
Nicht alle Entschäumer sind vollständig biologisch abbaubar.
- Folge: Bei einer massiven Überdosierung können Wirkstoffe die Kläranlage passieren, ohne abgebaut zu werden.
- Auswirkung: Die Chemikalien gelangen direkt in Vorfluter (Bäche/Flüsse) und können dort Wasserorganismen beeinträchtigen oder die Oberflächenspannung natürlicher Gewässer stören.
Zusammenfassung: Was tun bei Überdosierung?
Wenn es sich um eine einmalige, leichte Überdosierung handelt (z. B. zwei statt einer Tablette in der Spülmaschine), ist das für das öffentliche Kanalnetz meist vernachlässigbar, da die Verdünnung im Abwasser sehr hoch ist.
Kritisch ist es jedoch bei:
- Kleinkläranlagen (Hauskläranlagen): Hier sollte man die Anlage in den nächsten Tagen beobachten (Geruchsbildung, Trübung).
- Gewerblicher Nutzung: Hier können große Mengen Entschäumer die Grenzwerte für Abwasserinhaltstoffe überschreiten.
Tipp: Verwenden Sie Entschäumer immer streng nach Dosieranleitung. Wenn Sie Schaumprobleme haben, ist es oft besser, die Ursache (z. B. zu viel Waschmittel oder falsche Reinigungsmittel) zu bekämpfen, anstatt dauerhaft mit hohen Mengen Entschäumer gegenzusteuern.