Warum lösen sich Kosmetiktücher im Wasser deutlich langsamer auf als herkömmliches Toilettenpapier und dürfen deshalb nicht in der Toilette entsorgt werden?

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Der Grund, warum sich Kosmetiktücher (sowie Taschentücher und Küchenrolle) im Wasser deutlich langsamer auflösen als Toilettenpapier, liegt in ihrer chemischen und strukturellen Beschaffenheit.

Hier sind die Hauptgründe im Detail:

1. Nassfestmittel (Der entscheidende Faktor)

Kosmetiktücher und Papiertaschentücher sind dafür konzipiert, auch in feuchtem Zustand stabil zu bleiben – zum Beispiel, wenn man sich die Nase putzt oder Make-up entfernt. Um das zu erreichen, werden bei der Herstellung sogenannte Nassfestmittel (meist spezielle Harze) hinzugefügt.

  • Diese chemischen Zusätze vernetzen die Zellulosefasern so stark, dass sie sich bei Kontakt mit Wasser nicht sofort voneinander lösen.
  • Toilettenpapier hingegen wird ohne oder mit nur sehr wenig dieser Mittel hergestellt. Es ist darauf optimiert, seine Struktur zu verlieren, sobald es nass wird und leicht mechanisch bewegt wird (z. B. durch die Spülung).

2. Die Faserstruktur

Für Kosmetiktücher werden oft längere und hochwertigere Zellulosefasern verwendet, um eine weiche, aber reißfeste Oberfläche zu schaffen. Toilettenpapier besteht meist aus kürzeren Fasern (oft aus Recyclingmaterial), die von Natur aus weniger stabil miteinander verbunden sind.

Warum dürfen sie nicht in die Toilette?

Da sich Kosmetiktücher im Wasser nicht zersetzen, verursachen sie in der Abwasserentsorgung massive Probleme:

  • Verstopfungen im Haus: Die Tücher können sich in den Abflussrohren verfangen, andere Feststoffe und Fette binden und so schon im Gebäude zu einer Rohrverstopfung führen.
  • Probleme in der Kanalisation: Sie bilden im Abwasser lange, zähe Stränge (sogenannte Verzopfungen).
  • Gefahr für Pumpwerke: Dies ist das größte Problem für Städte und Gemeinden. Die reißfesten Tücher wickeln sich um die Laufräder der Abwasserpumpen. Da sie sich nicht zerteilen lassen, blockieren die Pumpen, was zu teuren Reparaturen, Notfalleinsätzen und im schlimmsten Fall zum Rückstau von Abwasser führen kann.
  • Kläranlagen: In der Kläranlage müssen diese Tücher als „Rechengut“ mühsam und kostenintensiv aus dem Wasser gesiebt und anschließend als Restmüll verbrannt werden.

Fazit: Nur Toilettenpapier gehört in die Toilette. Kosmetiktücher, Taschentücher, Feuchttücher und Küchenrollen gehören immer in den Restmüll, da sie im Kanalsystem wie „Textilien“ wirken und nicht wie Papier.