Funktioniert ein Notfallhammer auch unter Wasser, falls ein Fahrzeug in ein Gewässer stürzt und versinkt?
Ja, ein Notfallhammer funktioniert prinzipiell auch unter Wasser, aber es gibt erhebliche physikalische Einschränkungen, die du kennen solltest.
Hier ist die detaillierte Analyse der Situation:
1. Das Hauptproblem: Der Widerstand des Wassers
An Land kannst du mit dem Hammer weit ausholen und eine hohe Geschwindigkeit (und damit Schlagkraft) erzeugen. Unter Wasser ist das aufgrund der Viskosität des Wassers fast unmöglich. Die Bewegung des Arms wird stark abgebremst.
- Die Folge: Man kann oft nicht genug Wucht aufbringen, um das Glas zu zertrümmern, besonders wenn man sich in einer Paniksituation befindet und wenig Bewegungsfreiheit hat.
2. Welches Glas lässt sich brechen?
Ein Notfallhammer ist nur für Einscheiben-Sicherheitsglas (ESG) konzipiert. Das ist das Glas, das in Tausende kleine Krümel zerfällt.
- Seitenscheiben & Heckscheibe: Meistens ESG. Hier funktioniert der Hammer.
- Frontscheibe: Besteht fast immer aus Verbund-Sicherheitsglas (VSG) (zwei Glasscheiben mit einer Folie dazwischen). Einen Notfallhammer gegen die Frontscheibe einzusetzen, ist zwecklos – sie bekommt nur Risse, bricht aber nicht heraus.
- Achtung bei modernen Autos: Immer mehr Hersteller verbauen mittlerweile auch bei den Seitenscheiben Verbundglas (wegen des Schallschutzes und Diebstahlschutzes). In diesem Fall hilft ein normaler Notfallhammer auch an der Seite nicht mehr.
3. Die bessere Alternative: Federbelastete Glasbrecher
Für Unfälle im Wasser empfehlen Experten oft sogenannte federbelastete Körner (bekannteste Marke: Resqme).
- Funktionsweise: Man drückt das Gerät gegen die Scheibe, eine Feder im Inneren spannt sich und schießt einen kleinen Bolzen mit extrem hoher Kraft gegen das Glas.
- Vorteil unter Wasser: Da man nicht ausholen muss, spielt der Wasserwiderstand keine Rolle. Man setzt das Gerät einfach an und drückt ab.
Tipps für den Notfall im Wasser:
- Zeitfenster nutzen: Sobald das Auto das Wasser berührt, hast du etwa 30 bis 60 Sekunden Zeit, in denen die Elektronik meist noch funktioniert. Öffne sofort die elektrischen Fensterheber, bevor der Kurzschluss auftritt. Das ist der sicherste Weg nach draußen.
- Nicht die Tür öffnen: Versuche nicht, die Tür zu öffnen, solange das Auto sinkt. Der Wasserdruck von außen ist so hoch, dass die Tür blockiert ist. Erst wenn das Auto fast voll Wasser gelaufen ist (Druckausgleich), ließe sie sich öffnen – aber dann ist es oft zu spät zum Auftauchen.
- In die Ecken schlagen: Wenn du einen Hammer benutzt, schlage nicht in die Mitte der Scheibe. Dort federt das Glas am stärksten. Schlage in eine der unteren Ecken.
- Positionierung: Bewahre den Hammer oder Glasbrecher immer in Griffweite auf (z.B. am Schlüsselbund oder in der Mittelkonsole). Im Handschuhfach ist er im Notfall meist unerreichbar.
Zusammenfassend: Ein klassischer Hammer funktioniert, ist aber unter Wasser schwer zu bedienen. Ein federbelastetes Rettungstool ist für diesen speziellen Fall deutlich effektiver.