Wie ist es technisch möglich, dass bei einer sogenannten Gleichschließung mehrere unterschiedliche Vorhängeschlösser mit demselben Schlüssel geöffnet werden können?

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Die technische Umsetzung einer Gleichschließung ist eigentlich recht simpel, wenn man versteht, wie ein herkömmliches Zylinderschloss (das meistgenutzte System bei Vorhängeschlössern) funktioniert.

Hier ist die schrittweise Erklärung:

1. Das Grundprinzip: Das Stiftschloss

In einem typischen Vorhängeschloss befinden sich im Inneren mehrere gefederte Stifte (meist fünf oder sechs). Diese Stifte sind vertikal geteilt in:

  • Gehäusestifte (unten, an der Feder).
  • Kernstifte (oben, dort wo der Schlüssel reingeschoben wird).

Damit sich der Schlosskern drehen lässt, müssen alle Stiftpaare exakt so weit heruntergedrückt werden, dass die Trennlinie zwischen Kernstift und Gehäusestift genau auf der sogenannten Scherlinie (der Grenze zwischen dem drehbaren Kern und dem festen Gehäuse) liegt.

2. Warum passen normalerweise unterschiedliche Schlüssel nicht?

Bei „verschiedenschließenden“ Schlössern haben die Kernstifte in jedem Schloss unterschiedliche Längen. Schlüssel A hat tiefe Einschnitte für lange Stifte und flache Einschnitte für kurze Stifte. Würde man Schlüssel A in Schloss B stecken, würden die Stifte zu tief oder nicht tief genug gedrückt – sie würden die Scherlinie blockieren, und das Schloss ließe sich nicht drehen.

3. Die technische Umsetzung der Gleichschließung

Bei einer Gleichschließung macht der Hersteller im Grunde Folgendes:

  1. Identische Bestiftung: Er bestückt alle Schlösser einer Serie mit exakt den gleichen Stiftlängen an den exakt gleichen Positionen.
  2. Identisches Profil: Er verwendet für alle Schlösser denselben Rohling (das Profil des Schlüssellochs), damit der Schlüssel überhaupt physisch hineinpasst.
  3. Der Code: Jede Kombination von Stiftlängen entspricht einem Code (z. B. 1-3-5-2-4). Bei einer Gleichschließung wird bei der Montage in jedes Schloss die Stiftkombination „1-3-5-2-4“ eingebaut.

Technisch gesehen sind diese Schlösser also Klone voneinander.

4. Ein Sonderfall: Die Hauptschlüsselanlage (Zentralschloss)

Manchmal verwechselt man Gleichschließung mit einer Hauptschlüsselanlage (wo ein Schlüssel alles öffnet, aber die Einzelschlösser auch eigene, unterschiedliche Schlüssel haben).

Hier ist die Technik etwas komplexer:

  • In diesen Schlössern werden zusätzliche kleine Scheiben (sogenannte Plättchen oder Trennstifte) zwischen Kern- und Gehäusestift eingebaut.
  • Dadurch entstehen pro Stiftsäule zwei mögliche Scherlinien.
  • Die eine Scherlinie passt für den individuellen Schlüssel, die andere für den Hauptschlüssel.

Zusammenfassung

Bei einer Gleichschließung ist es technisch deshalb möglich, mehrere Schlösser mit einem Schlüssel zu öffnen, weil das Innenleben der Schlösser (die Längen der Stifte) identisch kopiert wurde. Es gibt keine mechanische Unterscheidung zwischen den Schlössern einer solchen Gruppe.

Vorteil: Man braucht nur einen Schlüssel für das Tor, den Keller, das Vorhängeschloss und die Garage. Nachteil: Verliert man einen Schlüssel, müssen aus Sicherheitsgründen theoretisch alle Schlösser ausgetauscht werden.