Was genau sind Weintrauben aus botanischer Sicht?
Aus botanischer Sicht sind Weintrauben weitaus komplexer, als es der Name vermuten lässt. Hier ist die genaue Einordnung:
1. Die Fruchtform: Eine echte Beere
Botanisch gesehen ist die einzelne Weintraube eine Beere. Eine Beere wird definiert als eine aus einem einzigen Fruchtknoten hervorgegangene Frucht, bei der die komplette Fruchtwand (das Perikarp) bei der Reife saftig oder fleischig wird.
- Exokarp: Die äußere Haut.
- Mesokarp: Das saftige Fruchtfleisch.
- Endokarp: Die Schicht, die die Samen umschließt (bei der Traube ebenfalls fleischig und kaum vom Mesokarp unterscheidbar).
Im Gegensatz dazu sind Erdbeeren oder Himbeeren botanisch gesehen keine Beeren (sondern Sammelnussfrüchte bzw. Sammelsteinfrüchte). Die Weintraube hingegen erfüllt die Definition perfekt.
2. Der Blütenstand: Keine „Traube“, sondern eine „Rispe“
Dies ist eine der häufigsten botanischen Verwechslungen: Obwohl wir das gesamte Gebilde „Weintraube“ nennen, handelt es sich botanisch gesehen meist nicht um eine Traube, sondern um eine Rispe.
- Eine Traube hat eine unverzweigte Hauptachse, von der die Einzelblüten an gestielten Nebenachsen abgehen (wie bei der Johannisbeere).
- Bei der Weinrebe sind die Seitenachsen der Hauptachse jedoch nochmals verzweigt. Daher ist die korrekte botanische Bezeichnung für den Fruchtstand der Weinrebe „Geschein“ (während der Blüte) und „Fruchtstandrispe“ (bei der Ernte).
3. Die Pflanze: Eine Liane
Die Pflanze, an der die Weintrauben wachsen (die Weinrebe, Vitis vinifera), ist eine verholzende Liane.
- Sie gehört zur Familie der Weinrebengewächse (Vitaceae).
- Sie klettert mithilfe von Ranken, die morphologisch umgewandelte Sprossachsen (Sprossranken) sind.
4. Aufbau der Beere im Detail
- Samen: Im Inneren befinden sich meist zwei bis vier Samen (Kerne). Es gibt jedoch kernlose Züchtungen (Parthenokarpie – Fruchtbildung ohne Befruchtung).
- Inhaltsstoffe: Die Haut enthält die wichtigen Gerbstoffe (Tannine) und Farbstoffe (Anthocvane bei roten Trauben), während das Fruchtfleisch vor allem Zucker (Glukose und Fruktose) und Säuren (Weinsäure und Äpfelsäure) speichert.
- Die „Duftschicht“: Auf der Haut reifer Trauben findet man oft einen weißlichen Belag. Das ist der sogenannte Hauch oder die Wachsschicht (Cuticula), die die Frucht vor Austrocknung und Mikroorganismen schützt.
Zusammenfassung
Botanisch gesehen ist eine Weintraube eine Beere, die an einem rispigen Fruchtstand einer Liane wächst.