Was bedeutet die Codierung bei älteren Teststreifen-Modellen?
Bei älteren Blutzuckermessgeräten war die Codierung (auch Kalibrierung genannt) ein notwendiger Schritt, um sicherzustellen, dass das Messgerät die chemische Reaktion auf dem Teststreifen korrekt interpretiert.
Hier ist die genaue Erklärung, warum das nötig war und wie es funktionierte:
1. Warum musste codiert werden? (Herstellungstoleranzen)
Teststreifen werden in großen Mengen produziert. Bei der Herstellung der chemischen Beschichtung (meist Enzyme wie Glucose-Oxidase oder Glucose-Dehydrogenase) gibt es von Charge zu Charge (Produktionslos) minimale Abweichungen in der Empfindlichkeit.
- Die Abweichung: Eine Charge reagiert vielleicht etwas stärker auf den Zucker im Blut, die nächste etwas schwächer.
- Die Lösung: Der Hersteller ermittelt für jede Charge einen spezifischen Korrekturfaktor – den Code. Dieser Code sagt dem Messgerät: „Bei dieser speziellen Dose Teststreifen musst du das elektrische Signal um den Faktor X umrechnen, um den richtigen Blutzuckerwert anzuzeigen.“
2. Wie funktionierte die Codierung?
Es gab im Wesentlichen drei Methoden, wie der Code vom Benutzer in das Gerät übertragen wurde:
- Manuelle Eingabe: Auf der Teststreifendose stand eine zwei- oder dreistellige Zahl. Diese musste man im Menü des Geräts von Hand eingeben, bevor man den ersten Streifen einer neuen Packung verwendete.
- Code-Chip (Einschub-Chip): Jeder Packung Teststreifen lag ein kleiner Plastik-Chip bei. Diesen musste man in einen Schlitz am Messgerät stecken. Der Chip enthielt die Informationen über die Charge elektronisch.
- Barcodes: Einige Geräte lasen einen Barcode direkt auf dem Teststreifen oder der Dose ein.
3. Was passierte bei falscher Codierung?
Wenn man vergaß, das Gerät neu zu codieren (z. B. wenn man eine neue Packung anbrach, aber noch der Code der alten Packung im Gerät war), kam es zu Messfehlern.
- Die Werte konnten deutlich zu hoch oder zu niedrig angezeigt werden (Abweichungen von 10 % bis über 20 % waren möglich).
- Für Diabetiker war dies gefährlich, da es zu falschen Insulindosierungen führen konnte.
4. Warum gibt es das heute kaum noch? („No Coding“)
Moderne Teststreifen-Modelle sind fast alle „No Coding“-Geräte (oder „Autocoding“). Das hat zwei Gründe:
- Präzisere Fertigung: Die Hersteller haben die Produktionsprozesse so stark verbessert, dass die Abweichungen zwischen den Chargen so gering sind, dass ein fester Standardwert im Gerät ausreicht.
- Vermeidung von Anwendungsfehlern: Die manuelle Codierung war eine der häufigsten Fehlerquellen in der Diabetes-Selbstkontrolle. Durch den Wegfall der Codierung wurde die Anwendung sicherer und einfacher.
Zusammenfassend: Die Codierung war eine Art „Dolmetscher-Einstellung“ für das Messgerät, damit es die spezifische Chemie der jeweiligen Teststreifen-Charge richtig verstehen konnte. Heute übernehmen die Geräte dies automatisch oder die Streifen sind so einheitlich gefertigt, dass es nicht mehr nötig ist.