Führt ein verbogener oder mechanisch beschädigter Teststreifen zu falschen Werten?
Ja, ein verbogener oder mechanisch beschädigter Teststreifen kann definitiv zu falschen Werten führen.
Es gibt mehrere Gründe, warum die Unversehrtheit des Teststreifens (insbesondere bei Blutzuckermessgeräten, aber auch bei Urin- oder pH-Tests) entscheidend ist:
1. Kapillarwirkung (Einsaugen der Flüssigkeit)
Die meisten modernen Teststreifen (z. B. für Blutzucker) besitzen einen winzigen Kanal, der das Blut durch Kapillarkraft einsaugt. Wenn der Streifen verbogen oder geknickt ist, kann dieser Kanal:
- Blockiert sein: Es gelangt nicht genug Blut zum Sensor.
- Verengt sein: Das Blut fließt zu langsam, was die chemische Reaktion zeitlich verfälscht.
- Luftblasen bilden: Dies führt dazu, dass die Elektrode nicht vollständig mit Flüssigkeit bedeckt ist.
2. Beschädigung der Elektroden
Im Inneren eines elektronischen Teststreifens befinden sich hauchdünne Leiterbahnen (oft aus Gold, Palladium oder Kohlenstoff).
- Durch Biegen können diese Mikrorisse bekommen.
- Dies verändert den elektrischen Widerstand. Da das Messgerät den fließenden Strom misst, um den Wert zu berechnen, führt ein veränderter Widerstand direkt zu einem falschen Ergebnis (oft werden zu niedrige Werte angezeigt).
3. Beschädigung der chemischen Schicht (Reagenzien)
Bei Teststreifen, die auf einem Farbumschlag basieren (z. B. Urinstreifen oder pH-Papier), kann mechanische Beschädigung dazu führen, dass:
- Die chemische Beschichtung abblättert oder rissig wird.
- Die Schichten sich vermischen (bei Mehrfach-Teststreifen), was zu Farbverfälschungen führt.
- Feuchtigkeit aus der Luft leichter in die beschädigte Stelle eindringen kann, was das Reagenz vorzeitig unbrauchbar macht.
4. Positionierung im Gerät
Ein verbogener Streifen sitzt oft nicht mehr präzise im Schlitz des Messgeräts. Wenn die Kontaktstellen des Streifens nicht perfekt auf den Kontakten des Lesegeräts liegen, kommt es zu Übertragungsfehlern oder das Gerät bricht die Messung mit einer Fehlermeldung ab.
Mögliche Folgen:
- Fehlermeldung: Das Gerät erkennt das Problem und zeigt einen Error-Code an (das ist der "beste" Fall).
- Falsch-niedrige Werte: Häufig bei beschädigten Leiterbahnen.
- Falsch-hohe Werte: Seltener, aber durch unregelmäßige chemische Reaktionen möglich.
Empfehlung:
- Entsorgen: Benutzen Sie niemals einen Teststreifen, der einen sichtbaren Knick, Riss oder Kratzer hat.
- Lagerung: Bewahren Sie Teststreifen immer in der Originaldose auf und entnehmen Sie sie erst kurz vor der Benutzung.
- Handling: Fassen Sie Teststreifen nur mit sauberen, trockenen Händen an und vermeiden Sie starken Druck oder Biegen beim Einstecken in das Gerät.
Fazit: Ein beschädigter Teststreifen ist unzuverlässig. Da medizinische Entscheidungen (wie die Insulindosis) davon abhängen, sollten Sie im Zweifel immer einen neuen, unbeschädigten Streifen verwenden.