Warum wird Tee oft bitter, wenn die empfohlene Ziehzeit überschritten wird?
Das Bitterwerden von Tee bei zu langer Ziehzeit liegt an der chemischen Zusammensetzung der Teeblätter und der Art und Weise, wie sich die verschiedenen Inhaltsstoffe im heißen Wasser lösen.
Hier sind die Hauptgründe im Detail:
1. Die Rolle der Gerbstoffe (Tannine)
Der wichtigste Faktor sind die sogenannten Gerbstoffe oder Polyphenole (insbesondere Catechine). Diese Stoffe sind natürlicherweise in der Teepflanze enthalten und dienen ihr als Schutz vor Fressfeinden, da sie bitter schmecken.
- Löslichkeit: Inhaltsstoffe lösen sich unterschiedlich schnell im Wasser.
- Zuerst: Koffein (Teein) und die ätherischen Öle, die für das Aroma und den Duft verantwortlich sind, lösen sich bereits in den ersten 1 bis 3 Minuten.
- Danach: Die Gerbstoffe sind schwerer löslich. Je länger das Blatt im heißen Wasser bleibt, desto mehr dieser bitteren Tannine werden herausgelöst. Irgendwann überlagern sie die feinen Aromen und das Koffein, wodurch der Tee bitter und „pelzig“ schmeckt.
2. Die Adstringenz
Tannine verursachen nicht nur Bitterkeit, sondern auch ein zusammenziehendes (adstringierendes) Gefühl im Mund. Sie binden sich an die Proteine im Speichel, was dazu führt, dass sich die Schleimhäute im Mund leicht zusammenziehen. Das verstärkt den Eindruck, dass der Tee „stark“ oder unangenehm schmeckt.
3. Die Temperatur als Beschleuniger
Nicht nur die Zeit, sondern auch die Wassertemperatur spielt eine Rolle. Je heißer das Wasser ist, desto aggressiver werden die Gerbstoffe aus den Blättern gelöst.
- Grüner Tee ist besonders empfindlich, da er viele Catechine enthält, die bei kochendem Wasser sofort freigesetzt werden. Deshalb sollte er meist nur bei 70–80 °C ziehen.
- Schwarzer Tee ist bereits oxidiert, weshalb die Gerbstoffe in einer anderen Form vorliegen. Er verträgt kochendes Wasser besser, wird aber nach 5 Minuten ebenfalls sehr bitter.
Warum ist das bei Kräutertees oft anders?
Kräutertees (wie Minze oder Kamille) und Früchtetees sind botanisch gesehen kein „echter“ Tee (da sie nicht von der Teepflanze Camellia sinensis stammen). Sie enthalten oft weniger oder gar keine dieser spezifischen Gerbstoffe. Deshalb können sie oft 10 Minuten oder länger ziehen, ohne bitter zu werden – sie werden meistens nur intensiver im Geschmack.
Zusammenfassung
Tee wird bitter, weil die Gerbstoffe mehr Zeit benötigen, um sich im Wasser zu lösen als die Aroma- und Wachmacherstoffe. Werden die Blätter zu lange im Wasser gelassen, dominieren diese Bitterstoffe das gesamte Geschmacksprofil.
Ein kleiner Tipp: Wenn Sie Ihren Tee gerne kräftiger mögen, nehmen Sie lieber mehr Teeblätter, anstatt die Ziehzeit zu verlängern. So erhalten Sie mehr Aroma ohne die übermäßige Bitterkeit.