Warum wird oft empfohlen, Probiotika während oder nach einer Antibiotika-Therapie einzunehmen?
Die Empfehlung, Probiotika während oder nach einer Antibiotika-Therapie einzunehmen, hat einen einfachen Grund: Antibiotika unterscheiden nicht zwischen „guten“ und „bösen“ Bakterien.
Hier sind die wichtigsten Gründe im Detail:
1. Schutz der Darmflora (Mikrobiom)
Antibiotika sind darauf programmiert, Bakterien abzutöten oder deren Wachstum zu hemmen. Dabei vernichten sie jedoch nicht nur die Krankheitserreger, sondern auch die nützlichen Bakterien in unserem Darm. Dies führt zu einem Ungleichgewicht, einer sogenannten Dysbiose. Probiotika (lebende Mikroorganismen wie Milchsäurebakterien oder Hefen) helfen dabei, die Population der nützlichen Bakterien wieder aufzubauen und das Gleichgewicht zu stabilisieren.
2. Vermeidung von Antibiotika-assoziiertem Durchfall (AAD)
Eine der häufigsten Nebenwirkungen von Antibiotika ist Durchfall. Da die natürliche Schutzbarriere aus Bakterien im Darm geschwächt ist, können sich schädliche Keime leichter vermehren.
- Studien belegen: Die Einnahme bestimmter Probiotika (z. B. Lactobacillus rhamnosus GG oder die Hefe Saccharomyces boulardii) kann das Risiko für diesen Begleitdurchfall signifikant senken.
3. Verhinderung von Infektionen durch gefährliche Keime
Wenn die gesunde Darmflora dezimiert ist, entsteht Platz für hartnäckige Erreger. Einer der gefürchtetsten ist Clostridium difficile. Dieser Keim kann schwere Darmentzündungen auslösen. Probiotika besetzen die „Andockstellen“ an der Darmwand und produzieren Stoffe, die das Wachstum solcher Krankheitserreger hemmen.
4. Stärkung des Immunsystems
Da etwa 70 bis 80 % unseres Immunsystems im Darm sitzen, schwächt eine gestörte Darmflora die gesamte Abwehrkraft des Körpers. Probiotika unterstützen die Barrierefunktion der Darmschleimhaut und helfen dem Immunsystem, nach der Infektion wieder stabil zu arbeiten.
Worauf sollte man bei der Einnahme achten?
Damit Probiotika während einer Antibiotika-Therapie wirken können, müssen einige Regeln beachtet werden:
- Zeitlicher Abstand: Nehmen Sie das Probiotikum nicht zeitgleich mit dem Antibiotikum ein. Das Antibiotikum würde die im Probiotikum enthaltenen guten Bakterien sofort abtöten. Empfohlen wird meist ein Abstand von 2 bis 3 Stunden.
- Hefe-Präparate als Ausnahme: Es gibt probiotische Hefen (z. B. Saccharomyces boulardii). Da Antibiotika nur gegen Bakterien wirken, schaden sie der Hefe nicht. Diese Präparate können daher oft zeitgleich eingenommen werden.
- Dauer: Es wird oft empfohlen, das Probiotikum noch 1 bis 2 Wochen nach Ende der Antibiotika-Gabe weiter einzunehmen, um den Darm nachhaltig zu regenerieren.
- Die richtigen Stämme: Nicht jedes Probiotikum hilft gegen jede Nebenwirkung. Achten Sie auf Präparate, die speziell für die Begleitung von Antibiotika-Therapien entwickelt wurden (hohe Keimzahl und spezifische Stämme).
Hinweis: In manchen Fällen (z. B. bei stark geschwächtem Immunsystem) sollte die Einnahme von Probiotika vorab mit dem Arzt besprochen werden.