Wann ist die Einnahme von Probiotika (z. B. nach Antibiotika) besonders sinnvoll?

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Die Einnahme von Probiotika ist immer dann besonders sinnvoll, wenn das natürliche Gleichgewicht der Darmflora (Mikrobiom) gestört ist oder gezielt unterstützt werden soll.

Hier sind die wichtigsten Situationen, in denen Probiotika wissenschaftlich fundiert empfohlen werden:

1. Während und nach einer Antibiotika-Therapie

Dies ist der klassische Anwendungsfall. Antibiotika unterscheiden nicht zwischen „guten“ und „bösen“ Bakterien und zerstören oft einen Teil der schützenden Darmflora.

  • Warum: Um antibiotikaassoziierten Durchfall (AAD) zu verhindern und die Wiederbesiedlung des Darms mit nützlichen Bakterien zu beschleunigen.
  • Wichtiger Tipp: Nehmen Sie das Probiotikum bereits zeitgleich mit dem Antibiotikum ein, aber mit einem Zeitabstand von etwa 2 bis 3 Stunden, damit das Antibiotikum die probiotischen Bakterien nicht direkt wieder abtötet. Nach Abschluss der Antibiotika-Kur ist eine Fortführung für 2 bis 4 Wochen sinnvoll.

2. Bei Reizdarmsyndrom (RDS)

Probiotika gehören zu den am besten untersuchten Therapiemöglichkeiten bei Reizdarm.

  • Warum: Sie können Symptome wie Blähungen, Bauchschmerzen, Verstopfung oder Durchfall lindern.
  • Beachte: Hier kommt es stark auf den spezifischen Bakterienstamm an. Nicht jedes Probiotikum hilft gegen jedes Symptom.

3. Bei akuten Infektionen des Magen-Darm-Trakts

Wenn Sie an einer infektiösen Durchfallerkrankung (z. B. durch Rotaviren) leiden.

  • Warum: Bestimmte Stämme (wie Saccharomyces boulardii oder Lactobacillus rhamnosus GG) können die Dauer des Durchfalls verkürzen.

4. Zur Vorbeugung von Reisedurchfall

Wenn Sie in Länder mit niedrigeren Hygienestandards reisen.

  • Warum: Die „guten“ Bakterien besetzen die Andockstellen im Darm, sodass Krankheitserreger es schwerer haben, sich anzusiedeln.
  • Tipp: Beginnen Sie bereits eine Woche vor der Reise mit der Einnahme.

5. Bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED)

Insbesondere bei Colitis ulcerosa (weniger bei Morbus Crohn) können spezielle Probiotika (z. B. der Stamm E. coli Nissle 1917) helfen, die beschwerdefreie Zeit (Remission) zu verlängern.

6. Zur Unterstützung des Immunsystems und bei Allergien

Da etwa 70 bis 80 % der Immunzellen im Darm sitzen, hat die Darmflora einen direkten Einfluss auf die Abwehrkräfte.

  • Anwendung: Bei Infektanfälligkeit oder auch zur begleitenden Therapie bei Neurodermitis (hier gibt es positive Studien, besonders bei Säuglingen/Kleinkindern).

7. Wiederherstellung der Vaginalflora

Nach einer Behandlung von Scheidenpilz oder bakterieller Vaginose.

  • Warum: Milchsäurebakterien (Laktobazillen) helfen, den sauren pH-Wert im Intimbereich wiederherzustellen und Neuinfektionen vorzubeugen.

Worauf sollten Sie beim Kauf achten?

  1. Bakterienstämme: Ein gutes Produkt sollte verschiedene Stämme enthalten (z. B. Laktobazillen und Bifidobakterien), es sei denn, Sie behandeln ein ganz spezifisches Problem, das nur einen Stamm erfordert.
  2. Menge (KBE): Die Anzahl der lebenden Bakterien (Koloniebildende Einheiten) sollte hoch genug sein (meist im Milliardenbereich pro Dosis), damit genügend Bakterien den Magen lebend passieren.
  3. Kombination mit Präbiotika: Produkte, die auch „Futter“ für die Bakterien enthalten (z. B. Inulin oder Oligofruktose), werden „Synbiotika“ genannt und sind oft effektiver.

Wichtiger Hinweis: Wenn Sie ein stark geschwächtes Immunsystem haben oder schwer krank sind, sollten Sie die Einnahme von Probiotika unbedingt vorher mit Ihrem Arzt absprechen, da in seltenen Fällen Risiken bestehen können.