Können Probiotika durch Gen-Transfer zur Verbreitung von Antibiotikaresistenzen beitragen?

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Ja, die kurze Antwort lautet: Ja, theoretisch und auch praktisch können Probiotika zur Verbreitung von Antibiotikaresistenzen beitragen.

Dieses Thema ist ein wichtiger Aspekt der Lebensmittelsicherheit und wird von Regulationsbehörden (wie der EFSA in Europa) sehr ernst genommen.

Hier ist die detaillierte Erklärung, wie das funktioniert und wie die Risiken bewertet werden:

1. Der Mechanismus: Horizontaler Gentransfer (HGT)

Bakterien haben die Fähigkeit, genetisches Material nicht nur an ihre Nachkommen weiterzugeben (vertikaler Transfer), sondern auch untereinander auszutauschen – sogar zwischen verschiedenen Arten. Dies nennt man horizontalen Gentransfer.

Es gibt drei Hauptwege, wie ein probiotisches Bakterium ein Resistenzgen auf ein potenziell krankheitserregendes Bakterium im Darm übertragen könnte:

  • Konjugation: Der direkte Austausch von ringförmiger DNA (Plasmiden) über eine Art Brücke zwischen zwei Bakterien. Dies ist der häufigste Weg für die Verbreitung von Resistenzen.
  • Transformation: Die Aufnahme von nackter DNA aus der Umgebung (wenn ein Bakterium stirbt und seine DNA freigesetzt wird).
  • Transduktion: Übertragung von DNA durch Viren (Bakteriophagen).

2. Intrinsische vs. erworbene Resistenzen

In der Wissenschaft unterscheidet man streng zwischen zwei Arten von Resistenzen bei Probiotika:

  • Intrinsische (natürliche) Resistenz: Diese ist fest im Erbgut der gesamten Spezies verankert (z. B. durch die Struktur der Zellwand). Diese Form der Resistenz ist nicht übertragbar und gilt daher als unbedenklich. Wenn ein Probiotikum also von Natur aus gegen ein bestimmtes Antibiotikum resistent ist, besteht keine Gefahr für die öffentliche Gesundheit.
  • Erworbene Resistenz: Diese entsteht durch Mutationen oder die Aufnahme von Plasmiden. Wenn ein Probiotikum ein Resistenzgen auf einem mobilen genetischen Element (wie einem Plasmid) trägt, besteht die Gefahr, dass es dieses Gen im menschlichen Darm an Krankheitserreger (z. B. Salmonellen oder E. coli) weitergibt.

3. Wo liegt die Gefahr?

Wenn ein harmloses Milchsäurebakterium (z. B. aus einem Joghurt oder einer Kapsel) ein Resistenzgen an ein Pathogen überträgt, könnte eine Infektion mit diesem Pathogen später schwerer zu behandeln sein, weil das Standard-Antibiotikum nicht mehr wirkt. Der Darm bietet hierfür die perfekte Umgebung („Reaktor“), da dort extrem viele Bakterien auf engem Raum interagieren.

4. Warum Sie in Europa meistens sicher sind

In der EU gelten sehr strenge Regeln für Probiotika, die als Lebensmittelzusatzstoffe oder Nahrungsergänzungsmittel verkauft werden:

  • QPS-Status (Qualified Presumption of Safety): Die EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) führt eine Liste sicherer Bakterienstämme.
  • Zwingende Prüfung: Jeder neue Stamm, der auf den Markt kommt, muss auf sein Resistenzprofil getestet werden. Wenn ein Stamm übertragbare Resistenzen gegen medizinisch wichtige Antibiotika aufweist, erhält er keine Zulassung.
  • Genomsequenzierung: Heutzutage wird das gesamte Genom von Probiotika sequenziert, um sicherzustellen, dass keine gefährlichen "Mobilen Elemente" mit Resistenzgenen vorhanden sind.

5. Kritische Punkte und aktuelle Forschung

Trotz der Regulierung gibt es Diskussionspunkte:

  • Grauzonen: Produkte, die über das Internet aus Ländern mit weniger strengen Kontrollen bestellt werden, könnten Stämme mit übertragbaren Resistenzen enthalten.
  • Enterokokken: Einige Probiotika enthalten Stämme von Enterococcus faecium. Da diese Spezies dafür bekannt ist, leicht Resistenzen (z. B. gegen Vancomycin) aufzunehmen und weiterzugeben, ist die Überwachung hier besonders streng.
  • Das "Resistom": Forscher untersuchen vermehrt das gesamte Reservoir an Resistenzgenen im Darm (das Resistom) und wie Probiotika dieses beeinflussen könnten.

Fazit

Probiotika können theoretisch Antibiotikaresistenzen verbreiten, weshalb die genetische Stabilität und die Abwesenheit von übertragbaren Resistenzgenen das wichtigste Sicherheitskriterium bei der Auswahl von Probiotika-Stämmen sind. Bei in der EU zugelassenen Markenprodukten ist das Risiko aufgrund der strengen Kontrollen jedoch als äußerst gering einzustufen.

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