Warum wird die Anwendung von Augensalben meistens direkt vor dem Schlafengehen empfohlen?

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Die Empfehlung, Augensalben vor dem Schlafengehen anzuwenden, hat vor allem praktische und sicherheitsrelevante Gründe. Hier sind die wichtigsten Ursachen:

1. Beeinträchtigung der Sehfähigkeit (Schleiersehen)

Augensalben haben eine fettige, zähflüssige Konsistenz (meist auf Basis von Vaseline oder Wollwachs). Sobald die Salbe in das Auge eingebracht wird, vermischt sie sich mit dem Tränenfilm und bildet einen gleichmäßigen Fettfilm über der Hornhaut.

  • Die Folge: Das Licht wird anders gebrochen, und man sieht für längere Zeit (oft 15 bis 30 Minuten oder länger) extrem verschwommen – wie durch einen dichten Nebel oder Schleier.
  • Das Risiko: Im Alltag ist man dadurch stark eingeschränkt. Man darf kein Auto fahren, keine Maschinen bedienen und hat ein erhöhtes Sturzrisiko. Vor dem Schlafen stört diese Sehbehinderung nicht.

2. Längere Verweildauer und Wirkungszeit

Augentropfen sind wässrig und werden durch den natürlichen Lidschlag und den Tränenfluss relativ schnell wieder aus dem Auge gespült.

  • Der Vorteil der Salbe: Aufgrund ihrer Haftfähigkeit bleibt die Salbe viel länger im Auge.
  • Die Nachtruhe nutzen: Während wir schlafen, bewegen wir die Augen weniger und blinzeln kaum. Dadurch kann der Wirkstoff über mehrere Stunden hinweg kontinuierlich an das Auge abgegeben werden, was die Heilung (z. B. bei Entzündungen oder Verletzungen) intensiviert.

3. Schutz vor dem Austrocknen über Nacht

Nachts produziert das Auge weniger Tränenflüssigkeit. Bei Menschen mit sehr trockenen Augen (Sicca-Syndrom) können die Augenlider nachts mit der Hornhaut „verkleben“, was beim morgendlichen Öffnen der Augen schmerzhaft sein kann.

  • Die Salbe bildet eine Schutzbarriere, die das Auge die ganze Nacht über feucht hält und mechanische Reizungen verhindert.

4. Kombination mit Augentropfen

Oft müssen Patienten tagsüber Augentropfen und nachts eine Salbe verwenden.

  • Die Reihenfolge: Würde man die Salbe zuerst nehmen, könnten die Augentropfen danach nicht mehr wirken, da der Fettfilm der Salbe das Eindringen der Tropfen verhindert. Deshalb bilden die Salben meist den Abschluss der Tagesbehandlung.

Ein kleiner Tipp zur Anwendung: Da die Salbe im Auge schmilzt, kann es sein, dass am nächsten Morgen noch Reste an den Augenlidern oder Wimpern kleben. Diese lassen sich vorsichtig mit einem sauberen, feuchten Tuch entfernen.