Warum werden beim Import von Adobe InDesign-Dateien (IDML) in QuarkXPress oft Layout-Elemente verschoben?
Der Import von Adobe InDesign-Dateien (IDML) in QuarkXPress ist ein komplexer Prozess, bei dem eine Datei von einer „Sprache“ (Adobes Programmcode) in eine andere (Quarks Programmcode) übersetzt wird. Obwohl das IDML-Format (InDesign Markup Language) auf XML basiert und theoretisch gut lesbar ist, gibt es fundamentale Unterschiede in der Art und Weise, wie beide Programme Layouts berechnen.
Hier sind die Hauptgründe, warum es dabei oft zu Verschiebungen kommt:
1. Unterschiedliche Text-Engines (Umbruch-Logik)
Dies ist der häufigste Grund für Verschiebungen.
- Adobe Paragraph Composer: InDesign nutzt einen Algorithmus, der den Umbruch eines ganzen Absatzes optimiert, um gleichmäßige Lücken zu vermeiden.
- QuarkXPress Engine: Quark berechnet den Textfluss anders (oft zeilenbasiert).
- Die Folge: Schon minimale Abweichungen bei der Laufweite, dem Kerning (Unterschneidung) oder der Silbentrennung führen dazu, dass ein Wort in die nächste Zeile rutscht. Dadurch verändert sich die Länge des Textblocks, was wiederum das gesamte nachfolgende Layout verschieben kann.
2. Interpretation von Geometrie und Objektpositionen
Obwohl beide Programme Koordinaten nutzen (X und Y), interpretieren sie die Platzierung von Objekten in Containern oft unterschiedlich:
- Bezugspunkte: Wenn ein Objekt in InDesign an einem bestimmten Punkt verankert ist, kann Quark diesen Ankerpunkt beim Import leicht versetzt interpretieren.
- Ecken-Effekte: Abgerundete Ecken oder spezielle Rahmenformen werden in InDesign mathematisch anders definiert als in Quark. Beim Konvertieren kann es passieren, dass der Textabfluss (Textumfluss) um diese Objekte herum nicht mehr exakt übereinstimmt.
3. Grundlinienraster (Baseline Grid)
Die Definition des Grundlinienrasters unterscheidet sich oft in den Standardeinstellungen.
- Wenn das Raster in InDesign bei 10 mm vom oberen Seitenrand beginnt, in Quark aber bei 10 mm vom oberen Satzspiegelrand, verschiebt sich jeder Text, der am Raster ausgerichtet ist, um diesen Differenzbetrag.
4. Tabellen-Strukturen
Tabellen gehören zu den komplexesten Elementen in DTP-Programmen.
- InDesign erlaubt sehr verschachtelte Tabellenstile, Zellverbindungen und spezifische Konturenführungen (innen/mittig/außen).
- QuarkXPress nutzt eine andere Tabellen-Logik. Beim Import werden Zellabstände oder Linienstärken oft falsch interpretiert, was dazu führt, dass die Tabelle insgesamt größer oder kleiner wird und den umgebenden Text verdrängt.
5. Verankerte Objekte
InDesign erlaubt es, Objekte sehr flexibel innerhalb eines Textflusses zu verankern (Custom Positioning). QuarkXPress hat zwar ähnliche Funktionen, aber die mathematischen Parameter für den Versatz (Offset) werden beim IDML-Import oft nicht 1:1 übernommen. Das Objekt „springt“ dann an eine andere Stelle.
6. Fehlende oder unterschiedliche Features
Einige Funktionen existieren nur in einem der beiden Programme:
- GREP-Stile: InDesign kann Zeichenformate automatisch per GREP zuweisen. Quark versteht diese InDesign-spezifischen Automatismen beim Import nicht.
- Transparenzeffekte: Schlagschatten oder komplexe Verläufe werden oft unterschiedlich gerendert, was dazu führen kann, dass Begrenzungsrahmen von Effekten plötzlich den Textumfluss beeinflussen.
7. Schriftarten-Metriken
Selbst wenn dieselbe Schriftart verwendet wird, können unterschiedliche Versionen (OpenType vs. TrueType) oder die Art, wie das Programm die „Leading“ (Zeilenabstand) berechnet, zu Differenzen im Millimeterbereich führen, die sich über eine ganze Seite summieren.
Fazit & Tipps für den Workflow:
Ein IDML-Import ist selten ein „fertiges“ Ergebnis, sondern eher eine Rohfassung. Um Probleme zu minimieren:
- PDF als Referenz: Exportiere immer ein PDF aus InDesign, um es in Quark auf einer untersten Ebene als Vorlage drunterzulegen. So siehst du sofort, wo etwas verrutscht ist.
- Stile prüfen: Kontrolliere nach dem Import sofort die Absatzformate, insbesondere das Grundlinienraster und die Silbentrennung.
- Manuelle Kontrolle der Umbrüche: Da die Text-Engines unterschiedlich sind, muss fast jeder Umbruch manuell kontrolliert werden.
- Spezial-Tools: Es gibt spezialisierte Plugins (wie von Markzware), die oft eine präzisere Konvertierung leisten als der Standard-Import, aber auch diese sind nicht perfekt.