Warum weicht die Messung eines Ohrthermometers oft von der Messung unter der Achselhöhle ab?

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Dass ein Ohrthermometer andere Werte anzeigt als eine Messung unter der Achselhöhle, ist völlig normal und hat physikalische sowie physiologische Gründe.

Hier sind die Hauptgründe für die Abweichungen:

1. Körperkern- vs. Oberflächentemperatur

Dies ist der wichtigste Faktor. Der menschliche Körper hat keine einheitliche Temperatur:

  • Ohr (Trommelfell): Das Trommelfell teilt sich die Blutversorgung mit dem Hypothalamus (dem Temperaturregulationszentrum im Gehirn). Daher misst das Ohrthermometer sehr nah an der Körperkerntemperatur.
  • Achselhöhle (axillar): Hier wird lediglich die Hautoberflächentemperatur gemessen. Da die Achselhöhle außen am Körper liegt, ist sie kühler als das Innere.

Faustregel: Die Messung unter der Achsel liegt meistens 0,5 °C bis 1,0 °C unter der Kerntemperatur (Ohr oder rektal).

2. Äußere Einflüsse bei der Achselmessung

Die Messung unter dem Arm gilt medizinisch als die ungenaueste Methode, da sie stark von der Umgebung beeinflusst wird:

  • Schweiß: Verdunstender Schweiß kühlt die Haut ab und verfälscht das Ergebnis nach unten.
  • Raumtemperatur: Wenn der Arm nicht fest genug an den Körper gepresst wird, kühlt die Umgebungsluft die Messstelle.
  • Dauer: Es dauert sehr lange (bis zu 10 Minuten), bis sich die Temperatur in der geschlossenen Achselhöhle der inneren Temperatur annähert. Digitale Thermometer "raten" oft schon vorher ein Ergebnis.

3. Fehlerquellen beim Ohrthermometer

Auch das Ohrthermometer kann ungenau sein, allerdings aus anderen Gründen:

  • Messwinkel: Der Infrarotsensor muss direkt auf das Trommelfell zielen. Erwischt man nur den Gehörgang, ist der Messwert zu niedrig.
  • Ohrenschmalz: Eine starke Schmalzschicht kann die Infrarotstrahlung blockieren, was ebenfalls zu einem niedrigeren Wert führt.
  • Entzündungen: Ein entzündetes Ohr kann lokal deutlich wärmer sein, was den Wert künstlich erhöht.
  • Liegeposition: Wenn man gerade auf einem Ohr gelegen hat, ist dieses "aufgewärmt" und zeigt eine höhere Temperatur an.

4. Physiologische Verzögerung

Die Körperkerntemperatur (Ohr) reagiert viel schneller auf Veränderungen (z. B. beginnendes Fieber oder ein sinkender Spiegel nach Fiebersaft) als die Hauttemperatur unter der Achsel. Die Achseltemperatur hinkt der tatsächlichen Entwicklung oft hinterher.

Zusammenfassung: Welcher Wert zählt?

Wenn Sie wissen wollen, ob tatsächlich Fieber vorliegt, ist die Messung im Ohr (oder rektal) deutlich aussagekräftiger, da sie das Innere des Körpers widerspiegelt. Die Messung unter der Achsel ist eher eine grobe Schätzung.

Wichtiger Tipp: Vergleichen Sie nicht die absoluten Zahlen der beiden Methoden. Wenn Sie den Verlauf einer Krankheit beobachten wollen, bleiben Sie immer bei einer Messmethode und einem Gerät.