Warum verursacht Wundgel bei manchen Anwendern ein brennendes Gefühl auf der Haut?
Dass Wundgel beim Auftragen auf einer Wunde brennt, ist ein bekanntes Phänomen. Es gibt dafür mehrere medizinische und physikalische Gründe. In den meisten Fällen ist das Brennen harmlos und lässt nach kurzer Zeit nach, doch es gibt Unterschiede in der Ursache.
Hier sind die Hauptgründe, warum Wundgel brennen kann:
1. Freiliegende Nervenenden
Bei einer offenen Wunde (insbesondere bei Schürfwunden oder tieferen Schnitten) ist die schützende Hautbarriere zerstört. Die Schmerzrezeptoren und Nervenenden liegen frei und reagieren extrem empfindlich auf jegliche äußere Einflüsse – sei es Luft, Wasser oder eben ein Gel. Der Kontakt mit einer fremden Substanz löst einen sofortigen Reizimpuls aus, den wir als Brennen wahrnehmen.
2. Der Inhaltsstoff: Konservierungs- und Desinfektionsmittel
Viele Wundgele (insbesondere antiseptische Gele) enthalten Wirkstoffe, die Keime abtöten sollen.
- Polyhexanid (PHMB): Ein sehr häufiger Wirkstoff in Wundgelen. Er gilt als sehr gewebeschonend, kann aber bei der ersten Anwendung ein kurzes Brennen verursachen.
- Octenidin: Auch dieser Wirkstoff kann bei Kontakt mit den Wundrändern oder tieferem Gewebe ein brennendes Gefühl auslösen.
- Alkohol: In modernen Hydrogelen für die Wundheilung ist meist kein Alkohol enthalten. Sollte jedoch ein billigeres oder spezielles Desinfektionsgel verwendet werden, sorgt der Alkohol durch die Reizung der Schmerzrezeptoren für ein starkes Brennen.
3. Der pH-Wert-Unterschied
Wunden haben ein spezifisches chemisches Milieu (oft leicht sauer, im Heilungsverlauf variierend). Wenn der pH-Wert des Gels deutlich vom pH-Wert der Wunde abweicht, entsteht ein osmotischer Schock oder eine chemische Reizung der Zellen, was als Brennen wahrgenommen wird.
4. Verdunstungskälte
Wundgele (Hydrogele) bestehen zu einem großen Teil aus Wasser. Wenn das Gel auf die warme Wunde aufgetragen wird, setzt sofort ein Verdunstungsprozess ein. Die dabei entstehende Kälte wird von den freiliegenden Nervenenden manchmal nicht als "kühl", sondern als "stechend" oder "brennend" fehlinterpretiert.
5. Allergische Reaktionen (Unverträglichkeit)
In selteneren Fällen kann das Brennen ein Zeichen für eine Kontaktallergie gegen einen Inhaltsstoff sein (z. B. gegen bestimmte Konservierungsmittel oder Gelbildner wie Carbomer).
Wann ist das Brennen bedenklich?
- Normal: Ein kurzes Brennen (30 Sekunden bis 2 Minuten), das nach dem Auftragen schnell nachlässt und in ein kühlendes, beruhigendes Gefühl übergeht.
- Bedenklich: Wenn das Brennen anhält, die Haut um die Wunde herum stark anschwillt, sich rötet oder ein Juckreiz auftritt. Dies könnte auf eine allergische Reaktion oder eine Unverträglichkeit hindeuten. In diesem Fall sollte das Gel vorsichtig mit Kochsalzlösung oder Wasser abgespült und ein anderes Produkt gewählt werden.
Tipp: Wenn man sehr empfindlich reagiert, helfen oft Produkte auf Basis von Lipogelen oder spezielle Hydrokolloid-Pflaster, da diese die Nervenenden sofort abdecken und weniger Reizpotenzial haben als flüssige Gele.
Hinweis: Diese Information dient der allgemeinen Aufklärung und ersetzt keinen ärztlichen Rat.