Warum sollte Senf nicht stark erhitzt werden?
Senf sollte vor allem aus kulinarischen und chemischen Gründen nicht stark oder zu lange erhitzt werden. Hier sind die wichtigsten Gründe:
1. Verlust der Schärfe
Die charakteristische Schärfe des Senfs entsteht durch Senföle (Isothiocyanate). Diese Stoffe sind sehr flüchtig und hitzeempfindlich. Wenn Senf stark kocht oder lange brät, verdampfen diese Öle oder zersetzen sich. Das Ergebnis ist ein Senf, der kaum noch Würze oder den typischen „Biss“ hat.
2. Entstehung von Bitterstoffen
Durch das starke Erhitzen verändern sich die chemischen Verbindungen im Senf. Während die Schärfe verschwindet, treten oft Bitterstoffe in den Vordergrund. Eine Sauce, die zu lange mit Senf gekocht wurde, kann dadurch einen unangenehmen, gallig-bitteren Beigeschmack entwickeln.
3. Verlust der gesundheitsfördernden Wirkung
Senf enthält sogenannte Glucosinolate (Sekundäre Pflanzenstoffe), denen eine antibakterielle und entzündungshemmende Wirkung zugeschrieben wird. Diese Enzyme und Verbindungen werden durch hohe Temperaturen zerstört, wodurch die gesundheitlichen Vorteile des Senfs verloren gehen.
4. Gerinnung (bei manchen Sorten)
Senf wirkt in Saucen oft als Emulgator (er hilft, Fett und Wasser zu verbinden). Bei zu starker Hitze kann diese emulgierende Eigenschaft nachlassen, was dazu führen kann, dass die Sauce „ausflockt“ oder sich wieder trennt.
Tipps für die Küche:
- Am Ende hinzufügen: Rühren Sie Senf erst ganz zum Schluss in die Sauce oder das Gericht ein, wenn die Temperatur bereits gesunken ist oder die Kochplatte ausgeschaltet wurde.
- Ausnahme Senfkruste: Bei Gerichten wie Senfbraten oder Fisch mit Senfkruste nimmt man den Schärfeverlust bewusst in Kauf, um das Aroma des Senfs mit den Röstaromen zu verbinden. Hier wird oft körniger Senf (Rotisseur-Senf) verwendet, da dieser hitzebeständiger ist und weniger schnell bitter wird als feiner Tafelsenf.
- Dijon-Senf: Dieser ist etwas hitzebeständiger als mittelscharfer deutscher Senf, sollte aber dennoch nicht über längere Zeit sprudelnd kochen.