Warum raten Experten von der Nutzung benzocainhaltiger Zahnungsgels ab?

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Experten, Kinderärzte und Gesundheitsbehörden (wie das deutsche BfArM oder die US-amerikanische FDA) raten dringend von der Verwendung benzocainhaltiger Zahnungsgels bei Säuglingen und Kleinkindern ab.

Der Hauptgrund dafür ist ein seltenes, aber lebensbedrohliches Risiko: die sogenannte Methämoglobinämie.

Hier sind die Details zu den Gefahren und Hintergründen:

1. Das Risiko der Methämoglobinämie

Benzocain kann den Sauerstofftransport im Blut verändern. Bei einer Methämoglobinämie wird der rote Blutfarbstoff (Hämoglobin) so verändert, dass er zwar Sauerstoff binden, ihn aber nicht mehr effektiv an das Körpergewebe abgeben kann.

  • Folge: Es kommt zu einem akuten Sauerstoffmangel im Körper, was einer Art „innerem Ersticken“ gleichkommt.
  • Besondere Gefahr für Kleinkinder: Kinder unter zwei Jahren sind besonders anfällig, da ihr Enzymsystem noch nicht voll ausgereift ist, um diese Veränderung des Blutes rückgängig zu machen.

2. Symptome einer Vergiftung

Die Symptome treten oft innerhalb von Minuten bis wenigen Stunden nach der Anwendung auf:

  • Bläuliche oder graue Verfärbung der Lippen, der Haut und der Fingernägel (Zyanose).
  • Kurzatmigkeit oder schnelle Atmung.
  • Apathie, Müdigkeit oder Schläfrigkeit.
  • Erhöhter Herzschlag.
  • In schweren Fällen: Krampfanfälle, Koma oder Tod.

3. Geringer Nutzen bei hohem Risiko

Ein weiteres Argument der Experten ist die mangelnde Wirksamkeit:

  • Kurze Wirkdauer: Da im Mund von zahnenden Babys viel Speichel fließt, wird das Gel meist innerhalb weniger Minuten weggespült und verschluckt, bevor es überhaupt eine nennenswerte betäubende Wirkung am Zahnfleisch entfalten kann.
  • Verschlucken: Durch das Abschlucken gelangt der Wirkstoff direkt in den Blutkreislauf, was das Risiko für die oben genannte Methämoglobinämie erhöht, anstatt lokal zu helfen.

4. Offizielle Warnungen

  • Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat bereits vor Jahren angeordnet, dass Produkte mit Benzocain für Kinder unter zwei Jahren nicht mehr vermarktet werden dürfen.
  • In Deutschland weisen das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) und Berufsverbände der Kinderärzte ebenfalls auf die Risiken hin. Viele moderne Zahnungsgels in deutschen Apotheken sind mittlerweile benzocainfrei (sie nutzen stattdessen oft pflanzliche Stoffe wie Kamille oder Lidocain in sehr geringen Dosen, wobei auch hier Vorsicht geboten ist).

Was sind sichere Alternativen?

Experten empfehlen statt medikamentöser Gels meist mechanische und kühlende Methoden:

  1. Beißringe: Am besten im Kühlschrank (nicht im Gefrierfach!) gekühlte Beißringe. Die Kälte lindert den Schmerz und der Druck massiert das Zahnfleisch.
  2. Massage: Das Zahnfleisch vorsichtig mit einem sauberen Finger oder einer weichen Fingerzahnbürste massieren.
  3. Harte Lebensmittel: Wenn das Kind bereits Beikost erhält, können z. B. eine kühle Karotte oder eine Brotkruste helfen (unter Aufsicht wegen Verschluckungsgefahr).
  4. Schmerzmittel nach Rücksprache: Bei sehr starken Schmerzen und Fieber sollten Eltern nach Rücksprache mit dem Kinderarzt eher auf altersgerechte Schmerzmittel (wie Paracetamol- oder Ibuprofen-Saft/-Zäpfchen) zurückgreifen, da diese systemisch sicher dosiert werden können.

Fazit: Da das Risiko schwerster Nebenwirkungen den geringen Nutzen übersteigt, sollten benzocainhaltige Produkte in der Hausapotheke für Babys keinen Platz haben.