Warum nimmt stark ausgetrocknete Blumenerde oft kein Wasser mehr auf?
Das Phänomen, dass sehr trockene Erde Wasser einfach abperlen lässt, nennt man Hydrophobie (Wasserabweisung). Es gibt dafür im Wesentlichen drei physikalische und chemische Gründe:
1. Organische Beschichtungen (Wachse und Fette)
Blumenerde besteht zu einem großen Teil aus organischem Material wie Torf, Holzfasern oder Kompost. Diese Materialien enthalten natürliche organische Verbindungen wie Wachse, Fette und Harze.
- Im feuchten Zustand: Diese Moleküle sind so ausgerichtet, dass sie mit dem Wasser interagieren können.
- Im extrem trockenen Zustand: Wenn die Erde vollständig austrocknet, verändern diese Moleküle ihre Struktur. Die wasserabweisenden (hydrophoben) Enden der Moleküle richten sich nach außen. Es bildet sich eine Art unsichtbarer „Schutzfilm“ um die Erdpartikel, der wie eine Imprägnierung wirkt. Das Wasser kann die Partikel nicht mehr benetzen und perlt einfach ab.
2. Hohe Oberflächenspannung des Wassers
Wasser hat eine starke Oberflächenspannung (die Moleküle halten fest zusammen). Damit Wasser in die winzigen Poren der Erde eindringen kann, muss es die Kraft aufbringen, die Luft aus diesen Poren zu verdrängen. Wenn die Erde jedoch hydrophob beschichtet ist (siehe Punkt 1), ist der Widerstand so groß, dass die Oberflächenspannung des Wassers verhindert, dass der Tropfen "zerplatzt" und einsickert. Er bleibt stattdessen als Kugel auf der Oberfläche liegen.
3. Schrumpfung und Rissbildung
Wenn Blumenerde austrocknet, zieht sie sich zusammen. Es entstehen oft Spalten zwischen dem Erdballen und dem Rand des Blumentopfes. Wenn man nun gießt, sucht sich das Wasser den Weg des geringsten Widerstandes: Es läuft ungenutzt durch diese Spalten am Rand nach unten und aus den Abzugslöchern heraus, ohne den harten, trockenen Kern der Erde überhaupt zu berühren.
Was kann man dagegen tun?
Wenn die Erde erst einmal diesen Zustand erreicht hat, hilft normales Gießen kaum noch. Hier sind die besten Tricks:
- Das Tauchbad: Stell den gesamten Topf in einen Eimer mit Wasser, bis keine Luftblasen mehr aufsteigen. So hat das Wasser genug Zeit, die hydrophobe Schicht langsam zu durchbrechen. Danach gut abtropfen lassen!
- Ein Tropfen Spülmittel: Ein winziger Tropfen Spülmittel im Gießwasser bricht die Oberflächenspannung des Wassers. Dadurch kann es viel leichter in die trockenen Poren eindringen. (Keine Sorge, in geringster Dosierung schadet das den meisten Pflanzen nicht).
- Wiederholtes, schluckweises Gießen: Gieße nur ganz wenig, warte ein paar Minuten, gieße wieder ein wenig. So wird die Oberfläche langsam „vorgeweicht“, bis sie wieder aufnahmefähig ist.
- Netzmittel: Hochwertige Blumenerden enthalten oft bereits „Wetting Agents“ (Netzmittel), die genau dieses Austrocknen verhindern sollen. Bei billiger Erde fehlen diese meist.