Warum sollte man kein Wasser ohne Zusätze in der Mikrowelle erhitzen (Gefahr des Siedeverzugs)?

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Das Erhitzen von Wasser ohne Zusätze in der Mikrowelle kann zum sogenannten Siedeverzug führen. Dies ist ein physikalisches Phänomen, das potenziell gefährlich ist, da es zu schweren Verbrennungen führen kann.

Hier ist die Erklärung, warum das passiert und wie man es verhindert:

1. Was ist Siedeverzug?

Normalerweise fängt Wasser bei 100 °C an zu sprudeln. Die Blasen bilden sich an sogenannten Siedekeimen – das sind winzige Unebenheiten am Gefäßboden, Kratzer im Glas oder Staubpartikel.

In der Mikrowelle kann es jedoch passieren, dass das Wasser über seine Siedetemperatur (100 °C) hinaus erhitzt wird, ohne dass es kocht. Es ist dann „überhitzt“. In diesem Zustand ist das System extrem instabil. Sobald das Wasser erschüttert wird oder ein Gegenstand hineingelangt, wandelt sich die überschüssige Energie schlagartig in Dampf um. Das Wasser „explodiert“ förmlich aus dem Gefäß.

2. Warum tritt das speziell in der Mikrowelle auf?

Dafür gibt es drei Hauptgründe:

  • Glatte Gefäße: Tassen aus Glas oder glatter Keramik haben oft kaum mikroskopische Unebenheiten, die als Siedekeime dienen könnten.
  • Gleichmäßige Erwärmung: Im Gegensatz zum Herd, wo die Hitze von unten kommt und die natürliche Umwälzung (Konvektion) das Wasser in Bewegung hält, erwärmt die Mikrowelle das Wasser direkt im gesamten Volumen.
  • Fehlende Bewegung: In der Mikrowelle steht das Gefäß meist still (auch wenn es sich dreht, wird das Wasser im Inneren nicht „umgerührt“). Es gibt keine aufsteigenden Blasen, die das Wasser durchmischen.

3. Die Gefahr

Wenn man die Tasse aus der Mikrowelle nimmt oder – noch gefährlicher – einen Löffel, Zucker oder einen Teebeutel hineingibt, löst man die Kettenreaktion aus. Innerhalb von Millisekunden dehnt sich das Wasser als Dampf aus und spritzt als kochend heiße Fontäne aus dem Gefäß. Schwere Verbrühungen im Gesicht und an den Händen sind die Folge.

4. Wie kann man es verhindern?

Man muss kein Chemiker sein, um Wasser sicher in der Mikrowelle zu erhitzen. Diese Tipps helfen:

  1. Der „Siedestab“: Stellen Sie einen Löffel (vorzugsweise aus Glas oder Kunststoff, bei Metall vorsichtig sein – siehe unten) oder ein Holzstäbchen mit in das Gefäß. Die raue Oberfläche des Materials dient als Siedekeim, an dem sich Blasen bilden können.
  2. Zusätze direkt zugeben: Wenn Sie ohnehin Tee oder Kaffee machen, geben Sie den Teebeutel oder das Pulver (wenn möglich) direkt von Anfang an hinzu.
  3. Warten: Lassen Sie das Gefäß nach dem Erhitzen noch 20 bis 30 Sekunden in der Mikrowelle stehen, bevor Sie es berühren.
  4. Vorsichtiges Klopfen: Bevor Sie das Gefäß herausnehmen, können Sie (mit Schutz) leicht gegen die Tür oder das Gerät klopfen, um eine eventuelle Überhitzung durch Erschütterung sicher innerhalb des Geräts auszulösen.
  5. Keine völlig glatten Gefäße: Verwenden Sie Gefäße, die am Boden vielleicht schon ein paar Kratzer haben.

Hinweis zu Metalllöffeln: Ein Metalllöffel kann in der Mikrowelle sicher sein, solange er mindestens 2 cm Abstand zu den Wänden und der Decke hat (um Funkenbildung zu vermeiden). Viele Hersteller raten jedoch sicherheitshalber generell von Metall ab. Ein Holz- oder Glasstab ist die sicherste Wahl.

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