Warum macht die Zugabe von Kartoffeln das Brot besonders saftig?
Dass Brot durch die Zugabe von Kartoffeln (ob gekocht und zerdrückt, als Flocken oder als Rohreibe) besonders saftig wird und lange frisch bleibt, hat vor allem mit der besonderen Chemie der Kartoffelstärke und ihrem Wasserbindungsvermögen zu tun.
Hier sind die wichtigsten Gründe im Detail:
1. Höheres Wasserbindungsvermögen
Kartoffelstärke kann deutlich mehr Wasser binden als die Stärke im Getreidemehl (Weizen oder Roggen). Wenn man gekochte Kartoffeln in den Teig gibt, bringen diese bereits viel Eigenfeuchtigkeit mit, die fest in der Zellstruktur der Kartoffel gebunden ist. Während des Backens wird diese Feuchtigkeit nur sehr langsam abgegeben, was die Krume (das Innere des Brotes) feucht hält.
2. Vorverkleisterte Stärke
In gekochten Kartoffeln ist die Stärke bereits „verkleistert“. Das bedeutet, die Stärkekörner sind durch das Kochen aufgequollen und haben Wasser aufgesogen. Im Gegensatz dazu muss die Stärke im Mehl erst während des Backprozesses im Ofen verkleistern. Durch die bereits „startklare“ Kartoffelstärke erhöht sich der Gesamtfeuchtigkeitsgehalt des Teiges, ohne dass er zu flüssig oder klebrig wird, wie es bei reiner Wasserzugabe zum Mehl der Fall wäre.
3. Verzögerte Retrogradation (Altbackenwerden)
Brot wird altbacken, wenn die Stärke das beim Backen aufgenommene Wasser wieder abgibt und kristallisiert (diesen Vorgang nennt man Retrogradation). Das Brot wird trocken und hart. Die Kartoffelstärke stört diesen Prozess auf zwei Arten:
- Sie hält das Wasser hartnäckiger fest.
- Die Struktur der Kartoffelstärke (hoher Anteil an Amylopektin) sorgt dafür, dass die Rückkristallisation viel langsamer abläuft. Ergebnis: Das Brot bleibt über Tage hinweg elastisch und saftig.
4. Bessere Teigstruktur
Kartoffeln enthalten neben Stärke auch Pektine und Ballaststoffe. Diese wirken im Teig wie ein natürlicher „Emulgator“ und Stabilisator. Sie unterstützen das Gashaltevermögen des Teiges (besonders bei schweren Teigen), was zu einer feinporigen, weichen Krume führt, die sich im Mund „saftiger“ anfühlt.
5. Förderung der Maillard-Reaktion (Kruste)
Kartoffeln enthalten einen gewissen Anteil an natürlichem Zucker und Proteinen. Diese fördern beim Backen die sogenannte Maillard-Reaktion. Das sorgt nicht nur für eine kräftigere Bräunung und ein tolles Aroma der Kruste, sondern hilft auch dabei, die Feuchtigkeit im Inneren des Brotes „einzuschließen“.
Kleiner Tipp für die Praxis:
Wenn du Kartoffelbrot backst, kannst du etwa 20 % bis 30 % der Mehlmenge durch gekochte, zerdrückte Kartoffeln ersetzen.
- Wichtig: Da Kartoffeln viel Wasser enthalten, musst du die zusätzliche Schüttflüssigkeit (Wasser/Milch) im Rezept meist etwas reduzieren, damit der Teig nicht zu klebrig wird.
- Mehlige Kartoffeln eignen sich am besten, da sie sich feiner mit dem Teig verbinden als festkochende Sorten.