Warum lässt sich Rasiergel aus Druckbehältern oft nur schwer exakt dosieren?
Das Problem der schwierigen Dosierung von Rasiergel aus Druckbehältern hat mehrere physikalische und technische Ursachen. Hier sind die wichtigsten Gründe:
1. Die Expansion des Treibmittels
Im Inneren der Dose steht das Rasiergel unter hohem Druck. Das Treibmittel (meist ein Gemisch aus Propan, Butan oder Isopentan) ist teilweise im Gel gelöst. Sobald man den Sprühkopf drückt, sinkt der Druck am Auslass schlagartig auf den normalen Luftdruck.
- Der Effekt: Das gelöste Treibmittel beginnt sofort, sich von einer Flüssigkeit in ein Gas zu verwandeln. Dadurch dehnt sich das Gel bereits im Moment des Austretens massiv aus. Aus einer kleinen Menge Flüssigkeit wird in Sekundenbruchteilen ein Vielfaches an Volumen.
2. Die „Alles-oder-nichts“-Mechanik der Ventile
Die Ventile in herkömmlichen Sprühdosen sind meistens einfache Kipp- oder Druckventile. Sie sind nicht für eine feine Durchflussregulierung (wie etwa ein Wasserhahn) konstruiert, sondern funktionieren eher wie ein Schalter:
- Es gibt nur einen sehr kleinen Spielraum zwischen „geschlossen“ und „voll geöffnet“. Da der Innendruck sehr hoch ist, schießt das Gel schon bei einer minimalen Öffnung mit hoher Geschwindigkeit heraus.
3. Das „Nachlaufen“ im Düsenkopf
Häufig kommt nach dem Loslassen des Knopfes immer noch ein kleiner Rest Gel aus der Düse. Das liegt daran, dass sich in dem kurzen Kanal zwischen dem eigentlichen Ventil und der Austrittsöffnung noch Material befindet. Da dieses Material noch Treibmittel enthält, das sich weiter ausdehnt, wird der Rest des Gels langsam herausgedrückt, auch wenn das Hauptventil bereits geschlossen ist.
4. Temperaturabhängigkeit
Der Druck in der Dose ist stark von der Umgebungstemperatur abhängig.
- Im warmen Badezimmer steigt der Innendruck.
- Je höher der Druck, desto schneller schießt das Gel beim Öffnen des Ventils heraus. Das macht die Kontrolle mit dem Finger noch schwieriger.
5. Die Viskosität des Gels
Rasiergel ist relativ zähflüssig (viskos). Um diese zähe Masse durch die engen Kanäle des Sprühkopfs zu bewegen, ist ein hoher Druck notwendig. Würde man den Druck senken, um die Dosierung zu erleichtern, würde das Gel vermutlich nur sehr langsam und ungleichmäßig aus der Dose kriechen oder die Düse verstopfen.
Zusammenfassung
Man kämpft gegen die Physik: Ein hoher Innendruck trifft auf ein grobmotorisches Kunststoffventil und ein Material, das sein Volumen beim Austritt sofort vervielfacht. Das macht es fast unmöglich, nur eine exakt erbsengroße Menge zu entnehmen.
Tipp: Oft hilft es, den Sprühkopf nicht senkrecht nach unten, sondern ganz leicht schräg und nur mit minimalem Druck zu betätigen, um den Durchflusswiderstand im Ventil künstlich zu erhöhen.