Warum schäumt Rasiergel erst beim Verreiben auf der Haut auf?
Dass Rasiergel erst beim Verreiben auf der Haut zu einem dichten Schaum wird, liegt an einer speziellen chemischen Zusammensetzung und einem physikalischen Prozess.
Hier sind die Hauptgründe:
1. Die enthaltenen Treibmittel (niedrigsiedende Kohlenwasserstoffe)
Im Gegensatz zu Rasierschaum, der bereits als Schaum aus der Dose kommt, enthält Rasiergel leichtflüchtige Substanzen wie Isopentan oder Isobutan. Diese Stoffe haben einen sehr niedrigen Siedepunkt (Isopentan siedet bereits bei ca. 28 °C).
In der Dose stehen diese Stoffe unter Druck und sind im Gel gelöst. Wenn du das Gel aus der Dose drückst, ist es zunächst noch stabil, weil die Treibmittel in der gelartigen Struktur "gefangen" sind.
2. Körperwärme und Reibung
Sobald du das Gel auf die Haut aufträgst und verreibst, passieren zwei Dinge:
- Wärmezufuhr: Deine Haut ist etwa 32–35 °C warm. Das reicht aus, um das enthaltene Isopentan zum Sieden zu bringen. Es möchte vom flüssigen in den gasförmigen Zustand übergehen.
- Mechanische Energie: Durch das Verreiben (die Reibung) hilfst du dem Treibmittel, aus der Gel-Struktur auszubrechen und sich auszudehnen.
3. Die Rolle der Tenside (Seifenstoffe)
Das Gel enthält Tenside. Wenn das Treibmittel durch die Wärme gasförmig wird, dehnt es sich schlagartig aus. Die Tenside umschließen diese winzigen Gasbläschen sofort und stabilisieren sie. Dadurch entsteht aus der kleinen Menge Gel ein großes Volumen an festem Schaum.
Warum macht man das überhaupt? (Die Vorteile von Gel)
Hersteller haben das Gel aus bestimmten Gründen entwickelt:
- Einweichen der Haare: Das Gel ist konzentrierter als fertiger Schaum. Beim Verreiben auf der Haut wird das Barthaar direkter benetzt und dadurch weicher.
- Gleitfilm: Das Gel bildet oft einen besseren Schmierfilm direkt auf der Haut, bevor es aufschäumt, was die Rasur sanfter macht.
- Platzersparnis: Da das Gas erst auf der Haut expandiert, passt in eine kleine Dose Gel deutlich mehr „Rasur-Material“ als in eine riesige Dose fertigen Schaum.
Zusammenfassend: Das Gel „kocht“ quasi auf deiner Haut. Die Körperwärme lässt das Treibmittel verdampfen, und die Seifenstoffe im Gel fangen dieses Gas in Form von Millionen kleiner Bläschen ein.