Warum können Stollen an Hufeisen bei Pferden zu einer Fehlbelastung der Gelenke führen?

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Stollen an Hufeisen sind vergleichbar mit Spikes an Schuhen oder Stollen an Fußballschuhen. Sie dienen dazu, dem Pferd auf rutschigem Untergrund (nasses Gras, Matsch, Eis) mehr Halt zu geben. Doch genau dieser „feste Griff“ im Boden ist biomechanisch problematisch.

Hier sind die Hauptgründe, warum Stollen zu einer Fehlbelastung der Gelenke führen können:

1. Unterbrechung der natürlichen Gleitphase

Wenn ein Pferdehuf auffußt, rutscht er normalerweise einige Millimeter bis Zentimeter über den Boden, bevor er zum Stillstand kommt. Diese Gleitphase ist ein wichtiger Dämpfungsmechanismus.

  • Das Problem: Stollen stoppen den Huf abrupt ab („Stop-Effekt“).
  • Die Folge: Die Bewegungsenergie, die normalerweise durch das Gleiten abgebaut würde, schlägt nun direkt in die Gelenke und Sehnen ein. Besonders das Fesselgelenk und das Hufgelenk werden hierbei einer enormen Stoßbelastung ausgesetzt.

2. Erhöhte Rotationskräfte (Torsionskräfte)

In Wendungen oder Kurven muss der Huf am Boden leicht mitdrehen können.

  • Das Problem: Stollen verankern den Huf fest im Boden wie ein Dübel.
  • Die Folge: Wenn der Körper des Pferdes oben drüber dreht, der Huf aber unten fixiert bleibt, entstehen starke Scherkräfte und Rotationsbelastungen. Da die Gelenke des Pferdebeins (insbesondere Huf-, Kron- und Fesselgelenk) primär Scharniergelenke sind und kaum für seitliche Drehungen ausgelegt sind, werden die Seitenbänder und Gelenkkapseln extrem überlastet.

3. Einseitige Belastung und Hebelwirkung

Oft werden Stollen nur an den äußeren Enden der Hufeisen (an den Trachten) angebracht.

  • Das Problem: Wenn die Stollen nicht perfekt gleichmäßig im Boden versinken (z. B. auf hartem Boden oder bei unebenem Untergrund), steht der Huf schief.
  • Die Folge: Es entsteht eine einseitige Höhenveränderung. Das führt zu einer unnatürlichen Hebelwirkung auf die Gelenkspalten. Ein Gelenk wird auf der einen Seite gestaucht und auf der anderen Seite werden die Bänder überdehnt. Langfristig fördert dies Arthrose (z. B. Schale oder Spat).

4. Veränderung des Huf-Boden-Winkels

Stollen wirken wie „High Heels“ für Pferde.

  • Das Problem: Durch die Erhöhung im Trachtenbereich (hinten am Huf) verändert sich die gesamte Statik des Beins.
  • Die Folge: Die tiefe Beugesehne wird entlastet, aber die Strukturen des Hufrollenapparats und die Zehengelenke werden in eine unnatürliche Position gezwungen. Wenn das Pferd mit Stollen auf hartem Boden stehen muss (z. B. auf dem Asphaltweg zum Reitplatz), ist die Belastung besonders schädlich, da die Stollen nicht in den Boden einsinken können.

5. Einschränkung des Hufmechanismus

Der Huf ist ein elastisches Gebilde, das sich bei Belastung weitet (Hufmechanismus), um Blut zu pumpen und Stöße zu dämpfen.

  • Das Problem: Die feste Verankerung durch Stollen im Boden kann die natürliche Weitung der Hufkapsel einschränken.
  • Die Folge: Die Dämpfungsfunktion des Hufes nimmt ab, was wiederum die darüberliegenden Gelenke abfangen müssen.

Fazit und Abwägung

Trotz dieser Risiken sind Stollen im Turniersport (besonders beim Springen oder Vielseitigkeitsreiten auf Gras) oft ein notwendiges Übel. Ein Ausrutschen in einer Wendung oder bei einer Landung kann zu schweren Stürzen und Sehnenrissen führen, die gefährlicher sein können als die kurzfristige Gelenkbelastung durch Stollen.

Um die Belastung zu minimieren, gilt:

  • Stollen so klein wie möglich und so groß wie nötig wählen.
  • Stollen erst kurz vor der Belastung (z. B. direkt vor der Prüfung) einschrauben und danach sofort wieder entfernen.
  • Nach Möglichkeit zwei Stollen pro Huf verwenden (links und rechts an der Trachte), um ein seitliches Kippen zu vermeiden.
  • Stollen niemals auf hartem Boden (Asphalt/Beton) verwenden.
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