Warum ist Konstruktionsvollholz für den dauerhaften Einsatz im direkt bewitterten Außenbereich problematisch?
Konstruktionsvollholz (KVH) ist ein hochwertiges Bauprodukt, das jedoch für den direkten, ungeschützten Bewitterungsbereich (Nutzungsklasse 3) aus mehreren technischen und biologischen Gründen problematisch ist.
Hier sind die Hauptgründe, warum KVH für diesen Einsatzbereich nicht empfohlen wird:
1. Die Holzart (meist Fichte)
KVH wird standardmäßig aus Fichte (gelegentlich Tanne oder Kiefer) hergestellt.
- Geringe natürliche Dauerhaftigkeit: Fichte ist in die Dauerhaftigkeitsklasse 4 („wenig dauerhaft“) eingestuft. Das bedeutet, dass sie gegenüber holzzerstörenden Pilzen und Insekten im feuchten Zustand kaum natürliche Widerstandskraft besitzt.
- Feuchteanfälligkeit: Wenn Fichtenholz dauerhaft oder häufig nass wird und nicht schnell abtrocknen kann, steigt die Holzfeuchte über den kritischen Wert von 20 %. Ab diesem Punkt siedeln sich holzzerstörende Pilze (Fäulnis) an.
2. Die Keilzinkung (Verleimung)
Ein wesentliches Merkmal von KVH ist die Verlängerung der Hölzer durch Keilzinkung.
- Klebstoffbelastung: Obwohl die verwendeten Klebstoffe (meist Polyurethan- oder Melaminharzklebstoffe) wasserfest sind, ist die Verbindung mechanischen Spannungen ausgesetzt. Durch das ständige Quellen und Schwinden des Holzes bei Regen und Sonne (hygrische Wechselbelastung) entstehen enorme Kräfte an den Leimfugen.
- Gefahr von Delaminierung: Bei extremer Bewitterung kann es über die Jahre zu Mikrorissen in der Leimfuge kommen, in die Wasser eindringt, was den Zersetzungsprozess beschleunigt.
3. Rissbildung durch Feuchteschwankungen
KVH ist technisch auf eine Holzfeuchte von ca. 15 % (± 3 %) getrocknet.
- Im Außenbereich schwankt die Feuchtigkeit extrem. Bei Regen nimmt das Holz Feuchtigkeit auf, bei Sonne trocknet es schnell aus.
- Dies führt zu starker Rissbildung. In diese tiefen Risse dringt Wasser ein, das im Inneren des Balkens nur sehr langsam abtrocknet. Dies schafft ein ideales Milieu für Pilze, während das Holz von außen oft noch intakt aussieht (Kernfäule).
4. Oberflächenbeschaffenheit
KVH ist in der Regel gehobelt und gefast. Auf gehobelten Oberflächen haften Lasuren oder Farben oft weniger gut als auf sägerauen Oberflächen. Ohne einen extrem regelmäßigen Wartungsanstrich (der im konstruktiven Bereich oft nicht möglich ist) ist das Holz dem UV-Licht und dem Regen schutzlos ausgeliefert.
5. Fehlender chemischer Holzschutz
Standardmäßiges KVH ist für den Innenbereich oder den geschützten Außenbereich konzipiert, bei dem auf chemischen Holzschutz verzichtet werden kann (durch technische Trocknung). Im direkt bewitterten Bereich schreibt die DIN 68800 (Holzschutz im Hochbau) jedoch oft Maßnahmen vor, die KVH allein nicht erfüllen kann:
- Wenn das Holz nicht abtrocknen kann, ist ein chemischer Schutz nötig. KVH nimmt Kesseldruckimprägnierung (KDI) aufgrund der Zellstruktur (insbesondere bei Fichte) nur oberflächlich auf.
Fazit und Alternativen
Wenn KVH direkt bewittert wird, wird es nach wenigen Jahren zu optischen Mängeln (Vergrauung, Risse) und nach etwa 5 bis 10 Jahren oft zu statischen Problemen durch Fäulnis kommen.
Bessere Alternativen für den Außenbereich:
- Douglasie oder Lärche: Diese Hölzer haben eine höhere natürliche Dauerhaftigkeit (Klasse 3), sollten aber auch konstruktiv geschützt werden.
- Brettschichtholz (BSH) mit spezieller Verleimung: Für statisch beanspruchte Teile, sofern für den Außenbereich zugelassen.
- Konstruktiver Holzschutz: Das Wichtigste ist, das Holz so zu verbauen, dass Wasser sofort ablaufen kann und kein Erdkontakt besteht (Pfostenträger, Abschrägungen, Abdeckungen aus Blech).
- Dauerholz oder Thermoholz: Durch Hitze oder chemische Verfahren modifizierte Hölzer, die unempfindlich gegen Wasser sind.