Warum hat Weißbrot einen so geringen Gehalt an Ballaststoffen?
Dass Weißbrot so wenig Ballaststoffe enthält, liegt vor allem an der Art und Weise, wie das Mehl dafür hergestellt wird. Um das zu verstehen, muss man sich den Aufbau eines Getreidekorns (meist Weizen) ansehen:
1. Der Aufbau des Getreidekorns
Ein Getreidekorn besteht aus drei Hauptbestandteilen:
- Die Schale (Kleie): Sie bildet die äußere Schutzschicht. Hier sitzen die meisten Ballaststoffe, Mineralstoffe und Vitamine.
- Der Keimling: Der winzige Teil, aus dem eine neue Pflanze wachsen würde. Er enthält gesunde Fette und Vitamine.
- Der Mehlkörper (Endosperm): Das ist der größte Teil des Korns (ca. 80–85 %). Er besteht fast ausschließlich aus Stärke (Kohlenhydraten) und Eiweiß (Gluten). Ballaststoffe sind hier kaum vorhanden.
2. Der Mahlprozess (Raffination)
Bei der Herstellung von Weißmehl (z. B. Type 405) wird das Korn „ausgemahlen“. Das bedeutet:
- Die Schale und der Keimling werden entfernt.
- Nur der helle Mehlkörper wird zu feinem Mehl verarbeitet.
Da die Ballaststoffe fast ausschließlich in der Schale stecken, gehen sie bei diesem Prozess verloren. Übrig bleibt feines, weißes Pulver, das zwar gute Backeigenschaften hat und lange haltbar ist, dem aber die wertvollen Pflanzenfasern fehlen.
3. Der Vergleich: Weißbrot vs. Vollkornbrot
- Vollkornbrot: Hier wird das ganze Korn vermahlen. Die ballaststoffreiche Schale bleibt im Mehl erhalten. Ein Vollkornbrot hat daher etwa 7 bis 10 Gramm Ballaststoffe pro 100 Gramm.
- Weißbrot: Da nur der Mehlkörper verwendet wird, enthält es nur etwa 2 bis 3 Gramm Ballaststoffe pro 100 Gramm.
Warum macht man das überhaupt?
Es gibt historische und praktische Gründe für die Herstellung von Weißmehl:
- Haltbarkeit: Der Keimling enthält Fette, die das Mehl schneller ranzig werden lassen. Ohne Schale und Keim hält sich Weißmehl viel länger.
- Backeigenschaften: Weißmehl ist feiner und liefert fluffigere, luftigere Backergebnisse (wie Baguette oder Toast), da die harten Schalenanteile die Poren des Teiges nicht „durchschneiden“.
- Geschmack/Status: Früher galt weißes Brot als besonders edel und fein, während dunkles Brot als „Arme-Leute-Essen“ angesehen wurde.
Zusammenfassend: Weißbrot ist so ballaststoffarm, weil die ballaststoffreichen äußeren Schichten des Korns bei der Mehlherstellung ausgesiebt werden, um ein besonders feines, helles und backfähiges Produkt zu erhalten.