Welche gesundheitlichen Risiken birgt ein zu hoher Gehalt an Erucasäure in Rapsöl?

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Erucasäure ist eine einfach ungesättigte Fettsäure, die natürlicherweise in den Samen von Kreuzblütlern wie Raps, Senf und Kohl vorkommt. Während geringe Mengen als unbedenklich gelten, kann eine dauerhaft hohe Aufnahme gesundheitsschädlich sein.

Hier sind die wichtigsten gesundheitlichen Risiken und Hintergründe:

1. Das Hauptrisiko: Herzverfettung (Myokardiale Lipidose)

Das primäre Gesundheitsrisiko, das in Tierstudien (vor allem an Ratten) beobachtet wurde, ist die sogenannte Herzlipidose.

  • Was passiert dabei? Erucasäure wird vom Körper schlechter verstoffwechselt als andere Fettsäuren. Bei hoher Zufuhr lagern sich Fetttröpfchen im Herzmuskelgewebe ab.
  • Die Folge: Dies kann die Leistungsfähigkeit des Herzmuskels vorübergehend schwächen. Bei sehr hohen Dosen über einen langen Zeitraum wurden in Tierversuchen auch entzündliche Veränderungen und Narbengewebe (Fibrosen) am Herzen beobachtet.

2. Risiken für Kinder und Säuglinge

Säuglinge und Kleinkinder sind die am stärksten gefährdete Gruppe. Da sie ein geringes Körpergewicht haben, erreichen sie den von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) festgelegten Grenzwert für die tägliche Aufnahme (TDI) schneller als Erwachsene.

  • Besonders kritisch ist dies, wenn Beikost mit Ölen angereichert wird, die hohe Erucasäuregehalte aufweisen, oder wenn Säuglingsnahrung verunreinigt ist.

3. Grenzwerte und Sicherheit

Die gute Nachricht ist, dass für den Menschen im Alltag in Europa kaum eine Gefahr besteht, da strenge Regulierungen gelten:

  • Züchtung: Der heute gehandelte Speiseraps („00-Raps“) wurde so gezüchtet, dass er nur noch minimale Mengen an Erucasäure enthält (meist unter 0,5 % der Gesamtfettsäuren). Früher enthielt Rapsöl bis zu 50 % Erucasäure.
  • Gesetzliche Grenzwerte: In der EU gibt es strenge Höchstgehalte. Für normales Speiseöl liegt der Grenzwert bei 20,0 g/kg (2,0 %). Für Säuglingsnahrung sind die Grenzwerte noch deutlich strenger (4,0 g/kg).
  • TDI-Wert: Die EFSA hat eine tolerierbare tägliche Aufnahmemenge (TDI) von 7 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht festgelegt.

4. Wo findet man heute noch hohe Erucasäurewerte?

Probleme treten meist nur in Ausnahmefällen auf:

  • Verunreinigungen: Wenn bei der Ernte Wild-Senf oder anderer Ackersenf mitgeerntet wird, kann der Erucasäuregehalt im Öl steigen.
  • Senföl: In einigen Kulturen (z. B. in Indien) wird traditionelles Senföl zum Kochen verwendet, das sehr hohe Erucasäurewerte haben kann. In der EU muss solches Öl oft als „nur zur äußerlichen Anwendung“ gekennzeichnet werden, wenn es den Grenzwert überschreitet.

Zusammenfassung

Das Risiko einer Herzverfettung ist das zentrale gesundheitliche Bedenken. Da herkömmliches Rapsöl im Supermarkt jedoch aus speziellen Züchtungen stammt und streng kontrolliert wird, gilt es heute als eines der gesündesten Speiseöle (aufgrund seines hohen Anteils an Omega-3-Fettsäuren und des geringen Anteils gesättigter Fettsäuren). Ein Risiko besteht fast nur bei unkontrollierten Eigenimporten von Senföl oder Verunreinigungen in der Produktion.

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