Warum gilt Sperrholz als formstabiler als massives Holz?

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Sperrholz gilt als wesentlich formstabiler als Massivholz, weil es nach dem Prinzip des „Absperrens“ konstruiert ist. Um zu verstehen, warum das funktioniert, muss man sich zunächst anschauen, wie Massivholz auf Feuchtigkeit reagiert.

Hier sind die Hauptgründe für die Formstabilität von Sperrholz:

1. Das „Absperren“ (Kreuzweise Verleimung)

Holz ist ein natürlicher Werkstoff, der „arbeitet“. Das bedeutet, er dehnt sich bei Feuchtigkeit aus (Quellen) und zieht sich bei Trockenheit zusammen (Schwinden). Dabei gibt es eine Besonderheit: Holz verändert seine Maße quer zur Faser sehr stark (bis zu 10 %), aber längs zur Faser (in Wuchsrichtung) so gut wie gar nicht (nur ca. 0,1 %).

Beim Sperrholz werden die einzelnen Holzlagen (Furniere) immer um 90 Grad versetzt aufeinandergeleimt.

  • Wenn eine Lage versucht, sich in die Breite auszudehnen, wird sie von der darüber und darunter liegenden Lage daran gehindert, weil deren Fasern in die andere Richtung verlaufen und in diese Richtung stabil sind.
  • Die Lagen „sperren“ sich also gegenseitig in ihrer Bewegung ein. Daher kommt auch der Name „Sperrholz“.

2. Symmetrischer Aufbau

Sperrholz besteht fast immer aus einer ungeraden Anzahl von Lagen (3, 5, 7 usw.). Das hat einen statischen Grund: Durch die ungerade Zahl gibt es eine mittlere Lage (den Kern), und die Außenlagen (Deckfurniere) haben die gleiche Faserrichtung. Dadurch heben sich die Spannungen innerhalb der Platte gegenseitig auf. Würde man eine gerade Anzahl an Lagen verwenden, würde sich die Platte bei Feuchtigkeitsänderungen einseitig verziehen (schüsseln).

3. Homogenisierung von Fehlstellen

Massivholz hat natürliche Schwachstellen wie Äste, Harzeinschlüsse oder einen unregelmäßigen Faserverlauf. Diese Stellen reagieren unterschiedlich auf Spannungen und können zu Rissen oder Verformungen führen. Bei der Herstellung von Sperrholz werden diese Fehler durch das Schälen der Furniere und das anschließende Verleimen über die gesamte Fläche verteilt und neutralisiert. Die Platte wird dadurch als Ganzes viel berechenbarer und stabiler.

4. Der Klebstoffanteil

Die Schichten im Sperrholz sind flächig miteinander verleimt. Moderne Klebstoffe (oft Kunstharze) bilden nach dem Aushärten eine zusätzliche Barriere, die die Aufnahme von Feuchtigkeit verlangsamt und die mechanische Festigkeit der gesamten Platte erhöht.

Zusammenfassung

Während Massivholz sich bei Luftfeuchtigkeitsschwankungen krümmen, reißen oder verdrehen kann, bleibt Sperrholz durch die kreuzweise Verleimung flach und maßhaltig. Die physikalische Schwäche des Holzes (das Quellen in der Breite) wird durch seine Stärke (die Stabilität in der Länge) kompensiert.