Warum lösen sich bei minderwertigem Sperrholz die einzelnen Leimschichten voneinander ab?
Das Ablösen der Schichten bei Sperrholz (auch Delaminierung genannt) hat bei minderwertigen Produkten meist eine Kombination aus chemischen, physikalischen und herstellungstechnischen Gründen.
Hier sind die Hauptursachen im Detail:
1. Die Art des Klebstoffs (Leimqualität)
Dies ist der häufigste Grund. Es gibt verschiedene Leimklassen:
- Minderwertiges Sperrholz: Verwendet oft einfache Harnstoff-Formaldehyd-Harze (UF). Diese sind nicht wasserfest und reagieren empfindlich auf Luftfeuchtigkeit. Wenn die Feuchtigkeit steigt, quillt das Holz, und der spröde Leim hält den Spannungen nicht stand oder löst sich chemisch auf.
- Hochwertiges Sperrholz: Verwendet Phenol-Resorcin-Harze (erkennbar an den dunklen Leimfugen) oder Melaminharze. Diese sind kochfest und wetterbeständig (z. B. BFU 100 oder AW100 Zertifizierung).
2. Mangelhafter Pressvorgang
Bei der Produktion wird das Sperrholz unter Hitze und hohem Druck verpresst. Bei billiger Produktion wird hier oft gespart:
- Zu niedriger Druck: Der Leim dringt nicht tief genug in die Holzporen ein. Es entsteht nur eine oberflächliche Verbindung.
- Zu kurze Presszeit: Der Leim härtet nicht vollständig aus, bevor die Platten gestapelt werden.
- Falsche Temperatur: Ist die Presse zu heiß, wird der Leim spröde; ist sie zu kalt, bindet er nicht richtig ab.
3. Zu hohe Holzfeuchte bei der Verarbeitung
Wenn die einzelnen Furnierschichten vor dem Verleimen nicht ausreichend getrocknet wurden, entstehen beim Pressen (durch die Hitze) Dampfschlüsse. Der Wasserdampf im Holz verhindert, dass der Leim eine stabile Brücke zwischen den Fasern schlägt. Später, wenn das Holz im Gebrauch endgültig trocknet, schrumpft es, und die schwache Verbindung reißt auf.
4. Mechanische Spannungen (Schwind- und Quellverhalten)
Holz "arbeitet". Sperrholz ist zwar so konstruiert, dass die Schichten kreuzweise verleimt sind, um das Arbeiten zu minimieren. Dennoch entstehen bei Feuchtigkeitsschwankungen enorme Scherkräfte zwischen den Schichten.
- Ein guter Leim ist elastisch genug oder stärker als das Holz selbst, um diese Kräfte aufzunehmen.
- Ein minderwertiger Leim bricht unter dieser mechanischen Belastung einfach weg.
5. Fehlstellen im Kern (Hohlräume)
Minderwertiges Sperrholz hat oft "Lücken" in den inneren Furnierschichten (sogenannte Voids). Dort, wo das Holz im Inneren nicht bündig anliegt, kann kein Druck ausgeübt werden, und der Leim kann keine Verbindung herstellen. Diese Hohlstellen sind oft die Ausgangspunkte für spätere Ablösungen, da sich dort auch Feuchtigkeit sammeln kann.
6. Schlechtes Furniermaterial
Wenn die Furniere sehr uneben oder astreich sind, ist der Kontakt zwischen den Schichten lückenhaft. Hochwertiges Sperrholz verwendet sorgfältig ausgewählte und glatte Furniere, um eine vollflächige Verklebung zu garantieren.
Zusammenfassung
Bei minderwertigem Sperrholz wird meist ein billiger, feuchtigkeitsempfindlicher Leim verwendet, der in einem zu schnellen Produktionsprozess verarbeitet wurde. Sobald das fertige Produkt mit wechselnder Luftfeuchtigkeit in Kontakt kommt, führen die inneren Spannungen des Holzes dazu, dass die schwache Leimverbindung versagt.