Ist Sperrholz grundsätzlich wasserfest oder gibt es unterschiedliche Verleimungsklassen?
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Sperrholz ist nicht grundsätzlich wasserfest. Ob eine Sperrholzplatte Feuchtigkeit standhält, hängt entscheidend von der verwendeten Verleimung und der Holzart ab.
Es gibt klar definierte Verleimungsklassen, die angeben, für welche Umgebungsbedingungen die Platte geeignet ist. Man unterscheidet heute primär nach der europäischen Norm DIN EN 314-2.
Hier ist die Übersicht der gängigen Klassen:
1. Die Verleimungsklassen nach DIN EN 314-2
- Klasse 1: Trockenbereich (IF 20)
- Eignung: Nur für den Innenbereich bei niedriger Luftfeuchtigkeit.
- Klebstoff: Meist auf Harnstoff-Formaldehyd-Basis.
- Reaktion auf Wasser: Der Leim löst sich bei Feuchtigkeit auf, die Schichten trennen sich (Delaminierung).
- Klasse 2: Feuchtbereich (IW 67 oder MWH)
- Eignung: Innenräume mit gelegentlich hoher Luftfeuchtigkeit (z. B. Badezimmer, Waschküchen) oder geschützte Außenbereiche ohne direkte Bewitterung.
- Klebstoff: Meist Melamin-Harnstoff-Formaldehyd.
- Klasse 3: Außenbereich (AW 100 oder BFU 100)
- Eignung: Beständig gegen Wettereinflüsse und hohe Luftfeuchtigkeit über lange Zeiträume.
- Klebstoff: Phenolharz-Verleimung (oft an den dunklen, rötlich-braunen Leimfugen zu erkennen). Diese Platten sind "kochfest" verleimt, das heißt, der Kleber löst sich selbst in kochendem Wasser nicht auf.
2. Wichtiger Unterschied: Verleimung vs. Holzart
Ein häufiger Irrtum ist, dass eine "AW 100" verleimte Platte (wasserfest verleimt) automatisch nicht verrotten kann.
- Die Verleimung sorgt nur dafür, dass die Schichten zusammenhalten.
- Das Holz selbst (z. B. Birke oder Pappel) kann trotzdem Feuchtigkeit aufsaugen, quellen, schimmeln oder faulen, wenn es nicht durch Lacke, Öle oder Lasuren geschützt wird.
3. Sonderformen für extreme Bedingungen
Wenn Sperrholz dauerhaft mit Wasser in Kontakt kommt, reicht eine normale wasserfeste Verleimung oft nicht aus:
- Multiplexplatten: Sind dicker und bestehen aus mehr Schichten. Sie sind oft AW 100 verleimt, müssen im Außenbereich aber an den Kanten versiegelt werden, da dort Wasser in die Kapillaren des Holzes eindringen kann.
- Siebdruckplatten: Das ist Sperrholz mit einer Phenolharzbeschichtung. Die Oberfläche ist wasserdicht, aber die Schnittkanten sind die Schwachstelle und müssen unbedingt versiegelt werden.
- Bootsbausperrholz (Marine-Sperrholz): Hier sind nicht nur der Leim (Klasse 3), sondern auch die Holzarten selbst besonders dauerhaft (z. B. Teak, Mahagoni oder spezielles Okoumé) und die Platten sind absolut hohlraumfrei produziert.
Fazit
Wenn Sie Sperrholz für ein Projekt suchen:
- Für ein Regal im Wohnzimmer reicht Klasse 1.
- Für den Ausbau eines Campers oder das Badezimmer sollte es mindestens Klasse 2 sein.
- Für Gartenmöbel oder den Außenbereich ist Klasse 3 (AW 100 / BFU 100) zwingend erforderlich, kombiniert mit einem guten Oberflächenschutz.