Warum gehören benutzte Kosmetiktücher grundsätzlich in den Restmüll und nicht in die Altpapiertonne, selbst wenn sie nur zum Abschminken verwendet wurden?
Dass benutzte Kosmetiktücher (ebenso wie Taschentücher oder Küchenrolle) im Restmüll und nicht im Altpapier entsorgt werden müssen, hat mehrere wichtige Gründe. Selbst wenn sie „nur“ zum Abschminken verwendet wurden, machen die Materialbeschaffenheit und die Verschmutzung ein Recycling unmöglich.
Hier sind die Hauptgründe im Detail:
1. Nassfestmittel (Chemische Zusätze)
Um zu verhindern, dass Kosmetiktücher sofort reißen oder sich auflösen, wenn sie mit Feuchtigkeit (Wasser, Tränen, Make-up-Entferner) in Berührung kommen, werden sie bei der Herstellung mit sogenannten Nassfestmitteln (bestimmten Harzen oder Polymeren) versetzt.
- Das Problem: Im Recyclingprozess für Altpapier wird das Papier in Wasser eingeweicht, um die Fasern voneinander zu lösen. Da Kosmetiktücher darauf optimiert sind, sich im Wasser nicht aufzulösen, stören sie diesen Prozess massiv. Sie bleiben als Klumpen bestehen und können die Siebe der Recyclinganlagen verstopfen.
2. Verschmutzung durch Öle und Chemikalien
Altpapier-Recycling funktioniert nur mit sauberen Rohstoffen.
- Make-up-Reste: Foundation, Lippenstift oder wasserfester Mascara enthalten Fette, Öle, Farbpigmente und Silikone. Diese Rückstände lassen sich im Standard-Recyclingprozess kaum vom Papier trennen.
- Fette sind Gift für Altpapier: Schon kleine Mengen an Fett oder Öl können eine ganze Charge Recyclingpapier unbrauchbar machen, da sie die Faserbindung stören und Flecken im neuen Papier verursachen.
3. Hygienische Gründe
Benutzte Tücher enthalten organische Rückstände wie Hautschuppen, Talg, Schweiß oder sogar Bakterien.
- Papier-Recycling ist kein steriler Prozess bei extrem hohen Temperaturen. Aus Altpapier werden oft Hygienepapiere (wie Klopapier) oder Lebensmittelverpackungen (Eierkartons) hergestellt. Aus Sicherheitsgründen dürfen keine potenziell infektiösen oder hygienisch bedenklichen Materialien in den Kreislauf gelangen.
4. Zu kurze Fasern
Hygienepapiere wie Kosmetiktücher bestehen meist aus sehr kurzen Fasern, damit sie besonders weich sind.
- Jedes Mal, wenn Papier recycelt wird, werden die Fasern kürzer. Die Fasern von Taschentüchern und Kosmetiktüchern sind oft schon am Ende ihres „Lebenszyklus“. Sie sind so kurz, dass sie im Recyclingprozess einfach durch die Siebe fallen würden und somit ohnehin keinen Nutzwert für neues Papier hätten.
Warum auch nicht in die Biotonne oder die Toilette?
- Biotonne: Wegen der oben genannten Nassfestmittel bauen sich Kosmetiktücher in Kompostieranlagen viel zu langsam ab. Zudem möchte man die Chemikalien aus dem Make-up nicht im Kompost haben.
- Toilette: Da sie sich nicht wie Toilettenpapier auflösen, führen sie zu massiven Verstopfungen in der Kanalisation und in den Pumpwerken der Kläranlagen.
Fazit: Der Restmüll ist der einzig richtige Weg. Er wird in der Regel verbrannt, wodurch die enthaltene Energie thermisch genutzt wird und Schadstoffe sowie Krankheitserreger sicher zerstört werden.