Warum gehören Feuchttücher nicht in die Toilette, sondern in den Restmüll?
Dass Feuchttücher nicht in die Toilette gehören, hat mehrere schwerwiegende Gründe, die sowohl die private Hausinstallation als auch die öffentliche Infrastruktur und die Umwelt betreffen.
Hier sind die wichtigsten Gründe im Detail:
1. Das Material löst sich nicht auf
Der entscheidende Unterschied zu normalem Toilettenpapier ist die Beschaffenheit. Toilettenpapier besteht aus kurzen Zellstofffasern, die sich bei Kontakt mit Wasser innerhalb von Sekunden oder Minuten zersetzen. Feuchttücher hingegen bestehen meist aus einem Vlies-Kunststoff-Gemisch (oft mit Polyester- oder Polypropylenanteilen). Sie sind darauf ausgelegt, extrem reißfest und stabil zu sein, damit sie bei der Benutzung nicht reißen. Im Wasser behalten sie diese Stabilität bei – sie lösen sich auch nach Tagen nicht auf.
2. Verstopfung der Hausleitungen
Da sie sich nicht auflösen, können sie sich bereits in den engen Rohren Ihres Hauses verfangen, insbesondere an Kanten, Biegungen oder Ablagerungen. Dort sammeln sie sich an und bilden schnell ein Hindernis, das zu einer kostspieligen Rohrreinigung führen kann.
3. Gefahr für die Kläranlagen („Verzopfung“)
Das größte Problem entsteht in der Kanalisation und in den Pumpstationen der Klärwerke:
- Verzopfung: Die Tücher wirbeln im Abwasser herum und drehen sich durch die Strömung zusammen. Es entstehen meterlange, extrem reißfeste „Zöpfe“.
- Pumpenschäden: Diese Zöpfe wickeln sich um die Laufräder der Pumpen, blockieren sie und können die Motoren durchbrennen lassen. Mitarbeiter der Klärwerke müssen diese Blockaden oft mühsam und unter unhygienischen Bedingungen per Hand entfernen.
4. Bildung von „Fettbergen“
In der Kanalisation befindet sich oft Fett (z. B. aus Küchenabfällen). Feuchttücher wirken wie ein Netz oder ein Bindemittel für dieses Fett. Das Fett härtet an den Tüchern aus, und es entstehen riesige, betonharte Klumpen (sogenannte Fettberge), die die Kanalisation komplett verstopfen können.
5. Umweltbelastung durch Mikroplastik
Da viele Feuchttücher Kunststoffe enthalten, zerfallen sie (wenn überhaupt) nur sehr langsam in immer kleinere Teile. Dieses Mikroplastik kann von den Kläranlagen nicht immer zu 100 % herausgefiltert werden und landet so in unseren Flüssen und Meeren, wo es von Tieren gefressen wird und in die Nahrungskette gelangt.
6. Steigende Kosten für alle
Die Reparaturen an den Pumpen, die Reinigung der Kanäle und die Entsorgung des Rechenguts (der Müll, der aus dem Abwasser gefischt wird) kosten die Kommunen jährlich Millionen. Diese Kosten werden am Ende über die Abwassergebühren wieder auf alle Haushalte umgelegt.
Was ist mit „spülbaren“ Feuchttüchern?
Es gibt Produkte, die als „herunterspülbar“ oder „biologisch abbaubar“ gekennzeichnet sind. Experten raten dennoch davon ab.
- Diese Tücher lösen sich zwar schneller auf als Standard-Feuchttücher, aber oft immer noch viel langsamer als normales Toilettenpapier.
- Die Zeit, die sie vom Spülkasten bis zur nächsten Pumpstation benötigen, reicht meist nicht aus, um sie ausreichend zu zersetzen.
Die goldene Regel lautet daher: Nur die „drei K“ gehören in die Toilette: Kot, Kurin (Urin) und Klopapier. Alles andere – auch Feuchttücher, Wattestäbchen, Binden oder Tampons – gehört in den Restmüll.