Warum gehören benutzte Papiertaschentücher in den Restmüll und nicht in die Altpapiertonne oder den Biomüll?
Dass benutzte Papiertaschentücher (sowie Servietten und Küchenpapier) in den Restmüll gehören, hat vor allem zwei Gründe: die chemische Beschaffenheit des Papiers und hygienische Aspekte.
Hier ist die detaillierte Erklärung:
1. Warum nicht ins Altpapier? (Recycling-Problem)
Papiertaschentücher sind sogenannte „nassfeste“ Papiere. Damit sie bei Kontakt mit Feuchtigkeit (beim Naseputzen oder Aufwischen) nicht sofort zerfleddern, werden sie bei der Herstellung mit speziellen Kunstharzen oder Zusatzstoffen behandelt.
- Das Problem beim Recycling: Altpapier wird in Wasser eingeweicht, um es in seine Fasern zu zerlegen (Pulp). Die Fasern von Taschentüchern lösen sich wegen der Nassfestmittel jedoch kaum auf. Sie verstopfen die Siebe in den Recyclinganlagen oder bilden Klumpen, die als Störstoffe mühsam aussortiert werden müssen.
- Faserqualität: Die Fasern in Taschentüchern sind oft sehr kurz, da sie bereits mehrfach recycelt wurden oder so aufbereitet sind, dass sie für die Herstellung von hochwertigem neuem Papier kaum noch geeignet sind.
2. Warum nicht in den Biomüll? (Hygiene & Abbau)
Obwohl Papiertaschentücher aus Zellulose bestehen, haben sie in der Biotonne nichts zu suchen:
- Krankheitserreger: Benutzte Taschentücher enthalten Viren, Bakterien oder andere Sekrete. In Kompostierungsanlagen werden zwar hohe Temperaturen erreicht, aber es kann nicht immer garantiert werden, dass alle Krankheitserreger vollständig abgetötet werden. Um die Mitarbeiter in den Anlagen zu schützen und die Qualität des fertigen Komposts nicht zu gefährden, ist die Entsorgung über den Biomüll untersagt.
- Lange Abbauzeit: Wegen der oben erwähnten „Nassfestigkeit“ brauchen Taschentücher im Vergleich zu Essensresten viel zu lange, um zu verrotten. Die industriellen Zyklen in Kompostieranlagen sind oft zu kurz, sodass das Papier am Ende als Fremdkörper im Kompost verbleibt.
- Zusatzstoffe: Viele moderne Taschentücher enthalten Duftstoffe, Balsam oder Lotionen, die den Kompost mit Chemikalien belasten könnten.
3. Warum ist der Restmüll der richtige Ort?
Der Restmüll wird in Deutschland in der Regel in Müllverbrennungsanlagen thermisch verwertet.
- Hygienische Vernichtung: Durch die hohen Temperaturen bei der Verbrennung werden alle Krankheitserreger sicher vernichtet.
- Energiegewinnung: Die enthaltene Zellulose brennt gut und trägt zur Erzeugung von Fernwärme oder Strom bei.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Benutzte Papiertaschentücher sind hygienisch bedenklich und technisch so optimiert, dass sie den Recyclingprozess von Papier und Biomüll stören würden. Daher ist die graue Tonne (Restmüll) der einzig richtige Weg.