Warum sollten benutzte Papiertaschentücher niemals im Altpapier, sondern im Restmüll entsorgt werden?
Benutzte Papiertaschentücher gehören aus drei wesentlichen Gründen immer in den Restmüll und niemals in das Altpapier oder den Biomüll:
1. Hygiene und Infektionsgefahr (Der wichtigste Grund)
Benutzte Taschentücher enthalten Körperflüssigkeiten wie Nasensekret, das Bakterien und Viren (z. B. Erkältungs- oder Grippeviren) beherbergt.
- Gefahr für Mitarbeiter: In Sortieranlagen für Altpapier wird das Material oft von Hand nachsortiert. Krankheitserreger könnten so auf das Personal übertragen werden.
- Verunreinigung: Die Keime können den gesamten Papier-Recyclingkreislauf belasten. Auch wenn der Recyclingprozess Hitze nutzt, ist er nicht primär darauf ausgelegt, infektiöses Material zu sterilisieren.
2. Die chemische Beschaffenheit („Nassfestmittel“)
Papiertaschentücher (sowie Küchenrollen und Servietten) sind so konzipiert, dass sie extrem reißfest sind, selbst wenn sie nass werden. Damit sie sich beim Naseputzen nicht auflösen, werden ihnen bei der Herstellung sogenannte Nassfestmittel (spezielle Harze oder Polymere) beigemischt.
- Problem beim Recycling: Im Altpapier-Recycling wird das Papier in Wasser eingeweicht, um es in seine Fasern zu zerlegen (Pulping). Da Taschentücher wasserfest sind, lösen sie sich im normalen Prozess kaum auf. Sie verstopfen Siebe oder bilden Klumpen im neuen Papier, was die Qualität der Recyclingprodukte mindert.
3. Zu kurze Fasern
Papierfasern können nicht unendlich oft recycelt werden; bei jedem Prozess werden sie kürzer und brüchiger. Papiertaschentücher werden meist bereits aus sehr kurzen Fasern hergestellt (oft sogar schon aus Recyclingmaterial).
- Diese Fasern sind am „Ende ihres Lebenszyklus“ angekommen. Sie sind zu kurz, um daraus erneut hochwertiges Schreib- oder Druckpapier herzustellen.
Was ist mit dem Biomüll?
Auch wenn Taschentücher aus Zellstoff bestehen, gehören sie nicht in die Biotonne:
- Die oben genannten Nassfestmittel bauen sich nur sehr langsam ab, was den Kompostierungsprozess stört.
- Die Krankheitserreger haben auch im Kompost nichts zu suchen, da die Temperaturen bei der Rotte oft nicht ausreichen, um alle Viren sicher abzutöten.
Fazit
Die thermische Verwertung (Müllverbrennung) über den Restmüll ist der sicherste und sauberste Weg. Die Taschentücher verbrennen rückstandslos, und die dabei entstehende Energie wird zur Strom- oder Wärmegewinnung genutzt.
Ausnahme: Lediglich unbenutzte, saubere Papiertaschentücher könnten theoretisch ins Altpapier – aber aufgrund der Nassfestmittel ist auch das für die Papierfabriken eher unerwünscht. Daher gilt die Faustregel: Hygienepapiere gehören immer in den Restmüll.