Sind Stofftaschentücher aus hygienischer Sicht tatsächlich bedenklicher als Einweg-Papiertaschentücher?
Die kurze Antwort lautet: Ja, aus rein hygienischer Sicht sind Einweg-Papiertaschentücher den Stofftaschentüchern überlegen, besonders wenn man an einer ansteckenden Infektion (wie einer Erkältung oder Grippe) leidet.
Allerdings kommt es stark auf die Handhabung an. Hier ist eine detaillierte Analyse der Unterschiede:
1. Das Problem bei Stofftaschentüchern: Die "Keimschleuder"
Der Hauptkritikpunkt an Stofftaschentüchern ist, dass sie meist mehrfach verwendet und dazwischen in der Hosen- oder Jackentasche aufbewahrt werden.
- Vermehrung von Erregern: In der feuchten, warmen Umgebung der Hosentasche können sich Bakterien ideal vermehren. Viren überleben auf Stoff oft länger als auf Papier.
- Selbst-Kontamination: Wenn man das bereits benutzte Tuch wieder herausholt, kommen die Hände zwangsläufig mit dem Sekret und den darin enthaltenen Erregern in Kontakt. Von den Händen gelangen die Keime dann auf Türgriffe, Handys oder in das Gesicht.
- Verkrustung: Sekret trocknet im Stoff ein. Bei der nächsten Benutzung können die getrockneten Partikel die Nasenschleimhaut mechanisch reizen.
2. Der Vorteil von Papiertaschentüchern: "Use and Toss"
Das Prinzip von Einwegtaschentüchern ist die sofortige Entsorgung.
- Einmalige Nutzung: Man schnäuzt einmal (oder benutzt das Tuch für einen kurzen Zeitraum) und wirft es dann weg. Damit wird die Kette der Keimverbreitung unterbrochen.
- Saugfähigkeit: Moderne Papiertaschentücher sind oft so konzipiert, dass sie Flüssigkeit schnell einschließen.
- Hygiene-Empfehlung: Mediziner und Institute wie das Robert Koch-Institut (RKI) empfehlen bei Infektionswellen explizit Einwegtücher, um die Ansteckungsgefahr für Mitmenschen zu senken.
3. Wann sind Stofftaschentücher vertretbar?
Stofftaschentücher sind nicht per se "gefährlich", sondern vor allem bei akuten Infekten unhygienisch. Sie haben einen festen Platz bei:
- Chronischem Fließschnupfen (z.B. bei Allergien): Wenn keine Krankheitserreger im Spiel sind, ist das hygienische Risiko gering.
- Umweltaspekten: Wer gesund ist und nur ab und zu die Nase putzen muss, schont mit Stoff die Umwelt (Ressourcenverbrauch bei der Papierherstellung).
4. So nutzt man Stofftaschentücher hygienisch korrekt
Wenn Sie nicht auf Stoff verzichten möchten, sollten Sie folgende Regeln beachten:
- Häufig wechseln: Ein Stofftuch sollte nach jedem "richtigen" Schnäuzen gewechselt werden (was unterwegs schwierig ist).
- Richtig waschen: Sie müssen bei mindestens 60 Grad gewaschen werden, um Viren und Bakterien zuverlässig abzutöten. 30 oder 40 Grad reichen oft nicht aus.
- Lagerung: Gebrauchte Tücher sollten nicht lose in der Tasche liegen, sondern idealerweise in einem kleinen, separaten Wetbag (Nasstasche) transportiert werden.
- Bügeln: Das Bügeln mit hoher Hitze ist eine zusätzliche Desinfektionsmaßnahme.
Fazit
Wenn Sie krank sind, sind Papiertaschentücher die deutlich hygienischere Wahl, da sie das Risiko von Schmierinfektionen und die Keimlast in Ihrer direkten Umgebung (Taschen, Hände) minimieren.
Wenn Sie jedoch gesund sind oder unter Heuschnupfen leiden, ist das Stofftaschentuch eine ökologisch sinnvolle Alternative – vorausgesetzt, es wird heiß gewaschen und regelmäßig gewechselt.