Warum führt häufige Händedesinfektion oft zu trockener und rissiger Haut?
Häufige Händedesinfektion führt deshalb zu trockener und rissiger Haut, weil sie massiv in den natürlichen Schutzmechanismus der Haut eingreift. Der Hauptverursacher ist dabei meist der Alkohol (Ethanol oder Isopropanol), der in fast allen wirksamen Desinfektionsmitteln enthalten ist.
Hier sind die drei wichtigsten Gründe im Detail:
1. Auflösung der Lipidschicht (Fettentzug)
Unsere Haut ist von einem natürlichen Hydro-Lipid-Film (einem Gemisch aus Fetten und Wasser) überzogen. Diese Schicht hält die Haut geschmeidig und verhindert, dass Feuchtigkeit nach außen verdunstet.
- Der Effekt: Alkohol ist ein hervorragendes Lösungsmittel – nicht nur für Viren und Bakterien, sondern auch für Fette. Bei jeder Desinfektion wird ein Teil dieser schützenden Hautfette herausgelöst und abgewaschen oder weggewischt.
- Die Folge: Die Barrierefunktion der Haut wird geschwächt.
2. Dehydrierung (Feuchtigkeitsverlust)
Alkohol hat die Eigenschaft, Feuchtigkeit zu binden und beim Verdunsten mitzureißen.
- Der Effekt: Wenn der Alkohol auf der Haut verdunstet, entzieht er den oberen Hautschichten (der Hornschicht) aktiv Wasser.
- Die Folge: Die Hautzellen schrumpfen leicht, die Haut wird spröde, spannt und verliert ihre Elastizität.
3. Störung des pH-Werts und des Mikrobioms
Die Haut hat einen natürlichen Säureschutzmantel (pH-Wert von ca. 5,5). Zudem siedeln auf der Haut „gute“ Bakterien, die Krankheitserreger abwehren.
- Der Effekt: Häufiger Kontakt mit Chemikalien kann diesen pH-Wert vorübergehend verändern. Zudem unterscheidet das Desinfektionsmittel nicht zwischen schädlichen Keimen und der nützlichen Hautflora.
- Die Folge: Die Haut gerät aus dem Gleichgewicht und wird anfälliger für Irritationen und Entzündungen.
Warum kommt es zu Rissen?
Wenn die Haut extrem trocken ist, verliert sie ihre Dehnbarkeit. Bei Bewegungen (z. B. Faust machen, Tippen) entstehen winzige Spannungsrisse, vor allem an den Fingerknöcheln oder in den Nagelfalzen. Diese Risse sind nicht nur schmerzhaft, sondern bieten wiederum eine Eintrittspforte für Bakterien und Allergene, was zu Ekzemen führen kann.
Was kann man dagegen tun?
- Rückfettende Mittel wählen: Hochwertige Desinfektionsmittel enthalten oft Glycerin oder andere rückfettende Stoffe, die den Fettverlust ein Stück weit ausgleichen.
- Hände eincremen: Das ist der wichtigste Punkt. Nach der Arbeit oder nach dem Händewaschen (wenn keine Desinfektion mehr nötig ist) sollte eine reichhaltige Pflegecreme (W/O-Emulsion) aufgetragen werden.
- Waschen vs. Desinfizieren: Im privaten Bereich ist gründliches Händewaschen mit einer milden, pH-hautneutralen Seife oft schonender als ständiges Desinfizieren. Aber Achtung: Zu heißes Wasser und aggressive Seifen trocknen die Haut oft noch stärker aus als Desinfektionsmittel!
- Handschuhe tragen: Bei Hausarbeit oder Kontakt mit Reinigungsmitteln Handschuhe tragen, um die Haut nicht zusätzlich zu belasten.
Zusammenfassend: Die Desinfektion entzieht der Haut ihr „Dichtungsmaterial“ (Fette) und ihr „Löschwasser“ (Feuchtigkeit). Ohne regelmäßige Zufuhr dieser Stoffe durch Cremes wird die Haut „brüchig“.