Warum brennt Handcreme oft auf rissiger oder extrem trockener Haut?
Das Brennen von Handcreme auf rissiger oder extrem trockener Haut ist eine sehr häufige Reaktion. Es gibt dafür mehrere biologische und chemische Gründe:
1. Die gestörte Hautbarriere
Gesunde Haut fungiert wie eine Schutzmauer (das sogenannte Ziegelstein-Mörtel-Modell). Bei extrem trockener oder rissiger Haut ist dieser Schutzwall löchrig.
- Eindringen in tiefere Schichten: Die Inhaltsstoffe der Creme bleiben nicht auf der Oberfläche, sondern dringen durch die Risse tief in die Epidermis (Oberhaut) oder sogar bis zur Dermis (Lederhaut) vor.
- Kontakt mit Nerven: In den tieferen Hautschichten befinden sich freiliegende Nervenenden. Wenn Inhaltsstoffe direkt auf diese Nerven treffen, senden diese ein Schmerz- oder Alarmsignal an das Gehirn – es brennt.
2. Bestimmte Inhaltsstoffe als Auslöser
Oft sind es genau die Stoffe, die der Haut eigentlich helfen sollen, die das Brennen verursachen:
- Urea (Harnstoff): Dies ist ein sehr effektiver Wirkstoff für trockene Haut, da er Feuchtigkeit bindet. Chemisch gesehen ist Urea jedoch ein Salz. Wenn Salz in eine offene Wunde (den Riss) gelangt, brennt es – ähnlich wie Meerwasser in einer Schürfwunde.
- Alkohole: Viele Cremes enthalten Alkohole als Konservierungsmittel oder damit die Creme schneller einzieht. Diese wirken auf offenen Stellen stark reizend.
- Duft- und Konservierungsstoffe: In gesunde Haut dringen diese kaum ein. Bei einer kaputten Barriere wirken sie jedoch wie Reizstoffe (Irritantien) oder können sogar Kontaktallergien auslösen.
- Säuren (z.B. Milchsäure): Sie werden oft zur Regulierung des pH-Werts eingesetzt, können aber auf rissiger Haut wie eine Verätzung wirken.
3. Der pH-Wert-Unterschied
Unsere Haut hat einen leicht sauren Schutzmantel (pH-Wert ca. 5,5). Extrem trockene oder entzündete Haut hat oft einen veränderten pH-Wert. Wenn die Creme einen deutlich anderen pH-Wert hat als die gereizte Hautstelle, entsteht ein chemischer Reiz, der als Brennen wahrgenommen wird.
4. Osmotischer Schock
Wenn eine Creme sehr konzentrierte Wirkstoffe enthält (z.B. viel Glycerin oder Salze), entzieht sie den Zellen im Bereich der Risse schlagartig Feuchtigkeit oder verändert das chemische Gleichgewicht in den Zellen. Diesen schnellen Prozess registrieren die Nervenzellen als Schmerz.
Was kann man tun?
Wenn die Handcreme brennt, ist das ein Zeichen, dass die Haut aktuell keine Feuchtigkeitspflege, sondern eine Schutzpflege benötigt.
- Fett statt Feuchtigkeit: Bei Rissen sollte man kurzzeitig auf wasserbasierte Cremes (die meist Urea oder Alkohole enthalten) verzichten und stattdessen zu fetthaltigen Salben greifen (z.B. reine Vaseline oder Fettsalben aus der Apotheke). Fett brennt nicht, da es keine Salze oder Alkohole benötigt und die Risse mechanisch abdichtet.
- Sensitiv-Produkte: Produkte ohne Duft- und Farbstoffe verwenden.
- Urea-Konzentration senken: Wenn 10 % Urea brennen, ist die Haut zu kaputt dafür. Erst die Barriere mit Fettsalben heilen, dann wieder auf Urea (evtl. erst 5 %) umsteigen.
- Über Nacht kurieren: Großzügig Fettsalbe auftragen und Baumwollhandschuhe darüberziehen.
Wichtig: Wenn die Haut zusätzlich stark rötet, anschwillt oder juckt, könnte eine Kontaktallergie vorliegen. In diesem Fall sollte ein Hautarzt aufgesucht werden.