Warum führen falsch ausgerichtete Außenstrahler oft zu einer erhöhten Unfallgefahr durch Blendung im Straßenverkehr?

Melden

Falsch ausgerichtete Außenstrahler (z.B. an Garagen, Hausfassaden oder Werbetafeln) stellen eine erhebliche Gefahr für den Straßenverkehr dar. Das Hauptproblem ist dabei nicht die Helligkeit an sich, sondern die physiologische und psychologische Wirkung der Blendung auf das menschliche Auge.

Hier sind die wichtigsten Gründe, warum dies zu Unfällen führt:

1. Die Adaptationsverzögerung (Anpassungszeit des Auges)

Das menschliche Auge benötigt Zeit, um sich von Helligkeit auf Dunkelheit umzustellen (Dunkeladaptation).

  • Der Effekt: Wenn ein Autofahrer nachts aus der Dunkelheit direkt in einen hellen, falsch ausgerichteten Strahler blickt, verengen sich die Pupillen schlagartig.
  • Die Gefahr: Sobald das Fahrzeug den Lichtkegel passiert hat, ist das Auge für einige Sekunden „blind“, da es Zeit braucht, um die Pupillen wieder zu weiten und die Netzhaut auf die dunkle Umgebung einzustellen. In dieser Zeit legt das Fahrzeug bei 50 km/h viele Meter im „Blindflug“ zurück.

2. Reduzierung des Kontrastsehens

Sicherheit im Straßenverkehr hängt maßgeblich davon ab, Kontraste wahrzunehmen (z. B. eine dunkel gekleidete Person vor dunklem Asphalt).

  • Der Effekt: Ein direkt in das Auge fallender Lichtstrahl erzeugt im Inneren des Auges Streulicht (sogenannte Schleierblendung).
  • Die Gefahr: Dieser Lichtschleier überlagert das Bild auf der Netzhaut. Kontraste verschwinden, und schwach beleuchtete Objekte wie Fußgänger, Radfahrer oder Hindernisse auf der Fahrbahn werden unsichtbar, obwohl sie sich eigentlich im Sichtfeld befinden.

3. Nachbilder und physiologische Blendung

Sehr intensive Lichtquellen können die Sinneszellen auf der Netzhaut lokal überreizen.

  • Der Effekt: Es entstehen sogenannte „Nachbilder“. Man sieht einen hellen Fleck, selbst wenn man den Blick abwendet oder die Lichtquelle bereits hinter sich gelassen hat.
  • Die Gefahr: Diese Flecken verdecken wichtige Informationen im Sichtfeld, wie etwa Bremslichter des Vordermanns oder Verkehrsschilder.

4. Verstärkung durch Witterungseinflüsse

Bei schlechtem Wetter verschlimmert sich die Situation drastisch.

  • Der Effekt: Regen, Nebel oder Schneefall wirken wie Abertausende kleine Spiegel. Das Licht des falsch ausgerichteten Strahlers wird an den Wassertropfen in der Luft und auf der nassen Fahrbahn gestreut.
  • Die Gefahr: Es entsteht eine „Lichtwand“, die die Sichtweite massiv einschränkt und den Fahrer desorientiert.

5. Ablenkung und Schreckreaktion

Ein plötzlich auftauchender, greller Lichtstrahl kann eine Schreckreaktion auslösen.

  • Der Effekt: Der Fahrer verzieht instinktiv das Lenkrad oder schließt kurz die Augen.
  • Die Gefahr: Besonders in Kurven oder an unübersichtlichen Stellen kann dies dazu führen, dass das Fahrzeug die Spur verlässt.

Rechtliche Einordnung

In Deutschland und vielen anderen Ländern ist dies auch ein rechtliches Thema. Gemäß § 1 der Straßenverkehrsordnung (StVO) darf niemand durch technische Einrichtungen unnötig behindert oder gefährdet werden. Zudem regelt das Immissionsschutzgesetz, dass Lichtanlagen keine „schädlichen Umwelteinwirkungen“ (wozu auch Blendung zählt) auf den Verkehr haben dürfen.

Fazit: Außenstrahler sollten immer so ausgerichtet sein, dass sie nach unten leuchten (Full-Cut-off-Leuchten) und das Licht nur dorthin werfen, wo es benötigt wird, ohne die horizontale Ebene in Richtung der Straße zu überschreiten.

0