Warum entstehen beim Erhitzen oft sogenannte „Cold Spots“, also Stellen im Essen, die trotz langer Laufzeit kalt bleiben?

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Das Phänomen der „Cold Spots“ tritt vor allem beim Erhitzen in der Mikrowelle auf. Dass einige Stellen im Essen kochend heiß sind, während andere eiskalt bleiben, liegt an einer Kombination aus physikalischen Welleneigenschaften und der Beschaffenheit der Lebensmittel.

Hier sind die Hauptgründe:

1. Stehende Wellen (Interferenz)

Mikrowellen arbeiten mit elektromagnetischen Wellen. Wenn diese Wellen im Garraum hin- und herreflektiert werden, überlagern sie sich. Dabei entstehen sogenannte stehende Wellen:

  • Hot Spots: An den Wellenbergen und -tälern ist die Energie maximal – hier wird das Essen extrem heiß.
  • Cold Spots: An den sogenannten Wellenknoten löschen sich die Wellen gegenseitig aus. Dort kommt fast keine Energie an.
  • Lösung der Technik: Deshalb haben die meisten Mikrowellen einen Drehteller, damit das Essen durch diese verschiedenen Zonen bewegt wird. Dennoch reicht das oft nicht aus, um alle Stellen gleichmäßig zu treffen.

2. Begrenzte Eindringtiefe

Mikrowellen dringen nicht bis in den Kern eines dicken Schnitzels oder eines tiefen Tellers Nudeln vor. Die Strahlung wird bereits in den äußeren Schichten (ca. 2 bis 3 cm tief) von den Wassermolekülen absorbiert.

  • Das Innere des Essens wird also gar nicht direkt durch die Mikrowellen erhitzt, sondern muss durch Wärmeleitung von außen nach innen erwärmt werden. Wenn man nicht lange genug wartet, bleibt die Mitte kalt.

3. Unterschiedliche Absorption (Wasser, Fett, Salz)

Mikrowellen regen vor allem Wassermoleküle zum Schwingen an.

  • Wasser vs. Eis: Kurioserweise lassen sich flüssiges Wasser und Fett sehr gut erhitzen, Eis hingegen sehr schlecht. Die Wassermoleküle im Eis sind in einem Kristallgitter fixiert und können kaum schwingen. Wenn ein Gericht also noch gefrorene Stellen hat, bleiben diese oft eiskalt, während das bereits geschmolzene Wasser daneben schon kocht.
  • Salz: Hoher Salzgehalt an der Oberfläche kann die Eindringtiefe der Wellen zusätzlich verringern, wodurch das Innere noch kälter bleibt.

4. Dichte und Form des Essens

Ein kompakter Klumpen (z. B. Kartoffelbrei) leitet Wärme schlechter als eine lockere Struktur. Zudem werden Ecken und Kanten von Speisen schneller heiß, da sie von mehreren Seiten von den Wellen getroffen werden, während flache Stellen in der Mitte weniger Energie abbekommen.


Tipps gegen Cold Spots:

  1. Rühren: Zwischendurch umrühren verteilt die Hot Spots und Cold Spots mechanisch.
  2. Ringform: Das Essen ringförmig auf dem Teller anordnen (die Mitte frei lassen). So haben die Wellen eine größere Angriffsfläche.
  3. Standzeit: Das Essen nach dem Klingeln 1–2 Minuten stehen lassen. In dieser Zeit findet die Wärmeleitung statt: Die Hitze wandert von den Hot Spots in die Cold Spots.
  4. Niedrigere Wattzahl, längere Zeit: Wenn man die Leistung reduziert, haben die Wellenpausen, in denen die Wärme Zeit hat, gleichmäßig durch das Lebensmittel zu wandern, bevor die Außenbereiche verbrennen.