Kann man Kartoffeln auch im rohen Zustand essen oder sind sie ungekocht für den Menschen unverdaulich?

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Die kurze Antwort lautet: Man kann sie theoretisch in kleinen Mengen essen, aber es ist nicht empfehlenswert.

Es gibt zwei Hauptgründe, warum rohe Kartoffeln problematisch sind: die Giftstoffe und die schwere Verdaulichkeit der Stärke.

Hier sind die Details:

1. Das Gift: Solanin

Kartoffeln gehören zu den Nachtschattengewächsen und enthalten natürliche Giftstoffe, vor allem Solanin.

  • Wo ist es? Solanin konzentriert sich vor allem in der Schale, in den „Augen“ (Keimstellen) und in grünen Stellen der Kartoffel.
  • Was bewirkt es? In größeren Mengen führt Solanin zu Vergiftungserscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen, Bauchkrämpfen, Durchfall und in schweren Fällen sogar zu neurologischen Störungen oder Atemnot.
  • Kochen hilft: Durch das Kochen wird das Solanin zwar nicht zerstört, aber es geht teilweise ins Kochwasser über (weshalb man das Wasser von Pellkartoffeln wegschütten sollte). Da man rohe Kartoffeln meist mit Schale oder direkt nach dem Aufschneiden essen würde, ist das Risiko einer höheren Solaninaufnahme größer.

2. Die Verdaulichkeit: Resistente Stärke

Rohe Kartoffeln sind nicht völlig unverdaulich, aber für unser Verdauungssystem eine große Herausforderung.

  • Ungekochte Stärke: In rohem Zustand liegt die Stärke in einer kristallinen Form vor, die von unseren Verdauungsenzymen (Amylasen) kaum aufgespaltet werden kann. Man spricht von resistenter Stärke.
  • Folgen: Da die Stärke im Dünndarm nicht abgebaut wird, gelangt sie unverdaut in den Dickdarm. Dort wird sie von Bakterien fermentiert. Das führt bei vielen Menschen zu starken Blähungen, Bauchschmerzen und Völlegefühl.
  • Durch Kochen: Erst durch Hitze und Wasser "verkleistert" die Stärke, wodurch sie für unsere Enzyme zugänglich und somit leicht verdaulich wird.

3. Antinährstoffe

Rohe Kartoffeln enthalten sogenannte Protease-Inhibitoren. Das sind Stoffe, die die Eiweißverdauung im Körper hemmen können. Diese werden erst durch Hitze deaktiviert.

Gibt es Ausnahmen?

  • Kartoffelsaft: In der Naturheilkunde wird frisch gepresster Kartoffelsaft manchmal in sehr kleinen Mengen gegen Sodbrennen oder Gastritis eingesetzt, da er Säure binden kann. Dies sollte jedoch nur unter Vorsicht und ohne grüne Stellen erfolgen.
  • Kleine Mengen: Wenn ein Kind oder ein Erwachsener mal ein kleines Stückchen rohe Kartoffel probiert, ist das meist völlig harmlos. Es schmeckt ohnehin eher mehlig und bitter, was die meisten Menschen davon abhält, mehr davon zu essen.

Fazit

Rohe Kartoffeln sind nicht tödlich, solange sie keine grünen Stellen haben, aber sie sind schwer bekömmlich und können zu Magen-Darm-Beschwerden führen. Um den vollen Nährwert zu nutzen und Risiken zu vermeiden, sollten Kartoffeln immer gekocht, gebacken oder gebraten werden.