Warum dürfen mineralölbasierte Flüssigkeiten niemals mit herkömmlicher Bremsflüssigkeit vermischt werden?

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Das Mischen von mineralölbasierten Flüssigkeiten (wie z. B. Hydrauliköl oder spezielles Mineral-Bremsöl) mit herkömmlicher Bremsflüssigkeit (auf Glykolbasis, z. B. DOT 4 oder DOT 5.1) ist lebensgefährlich und führt fast unweigerlich zum Totalausfall der Bremsanlage.

Hier sind die drei Hauptgründe, warum das niemals passieren darf:

1. Zerstörung der Dichtungen (Der kritischste Punkt)

Das gesamte Bremssystem ist mit Gummidichtungen und Schläuchen ausgestattet, die exakt auf die jeweilige Flüssigkeit abgestimmt sind:

  • Systeme für herkömmliche Bremsflüssigkeit (DOT 3, 4, 5.1): Verwenden Dichtungen aus EPDM (Ethylen-Propylen-Dien-Kautschuk). Dieses Material ist resistent gegen Glykol, aber es quillt sofort auf und löst sich auf, wenn es mit Mineralöl in Kontakt kommt.
  • Systeme für Mineralöl (z. B. Citroën, einige Fahrräder): Verwenden Dichtungen aus NBR oder anderen Elastomeren, die gegen Öl resistent sind, aber durch Glykol zerstört würden.

Die Folge: Wenn man Mineralöl in ein DOT-System füllt, quellen die Dichtungen innerhalb kürzester Zeit so stark auf, dass die Kolben im Hauptbremszylinder oder im Bremssattel klemmen. Zudem werden die Dichtlippen weich und lösen sich auf, was zu plötzlichem Druckverlust führt.

2. Unmischbarkeit der Flüssigkeiten

Mineralöl und Glykol-Bremsflüssigkeit lassen sich chemisch nicht vermischen – sie verhalten sich wie Öl und Wasser.

  • Im Bremssystem bilden sich zwei getrennte Phasen.
  • Dies führt zu einer ungleichmäßigen Druckübertragung.
  • Da sich die Flüssigkeiten nicht verbinden, kann es zu Schlammbildung kommen, die die feinen Bohrungen im ABS-Block oder im Hauptbremszylinder verstopft.

3. Unterschiedliche Siedepunkte und Wasseraufnahme

  • Hygroskopie: Herkömmliche Bremsflüssigkeit ist hygroskopisch, das heißt, sie nimmt Wasser auf und bindet es, um zu verhindern, dass Wassertropfen im System gefrieren oder bei Hitze zu Dampfblasen werden.
  • Mineralöl: Es bindet kein Wasser. Wenn Wasser in ein Mineralölsystem gelangt, sammelt es sich am tiefsten Punkt (oft im Bremssattel).

Wird beides gemischt, funktioniert das Sicherheitskonzept der Wasserbindung nicht mehr. Bei starker Erhitzung der Bremse verdampfen die Wasseranteile sofort, es bilden sich Gasblasen, und man kann das Bremspedal bis zum Boden durchtreten, ohne dass eine Bremswirkung erzielt wird.


Was tun, wenn es doch passiert ist?

Falls versehentlich auch nur eine kleine Menge Mineralöl in einen Behälter mit herkömmlicher Bremsflüssigkeit gelangt ist (oder umgekehrt):

  1. Das Fahrzeug auf keinen Fall bewegen! Schon ein paar Mal Pumpen verteilt die falsche Flüssigkeit im gesamten System.
  2. Das gesamte System muss gereinigt werden. In der Regel bedeutet das: Alle Gummiteile (Schläuche, Dichtungen im Hauptbremszylinder, Radbremszylinder, ABS-Block) müssen ausgetauscht werden, da die Schädigung der Elastomere oft irreversibel ist.
  3. Spülen: Die Leitungen müssen gründlich mit der korrekten Flüssigkeit gespült werden.

Hinweis zu DOT 5: Es gibt auch Bremsflüssigkeit auf Silikonbasis (DOT 5). Diese darf ebenfalls niemals mit DOT 3, 4 oder 5.1 (Glykolbasis) gemischt werden, da sie ebenfalls die Dichtungen beschädigen kann und sich nicht vermischt.

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