Warum muss Bremsflüssigkeit aufgrund ihrer hygroskopischen Eigenschaft regelmäßig gewechselt werden?

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Bremsflüssigkeit (in der Regel auf Glykolbasis) muss aufgrund ihrer hygroskopischen Eigenschaft – also der Eigenschaft, Wasser aus der Umgebung (Luftfeuchtigkeit) anzuziehen und zu binden – regelmäßig gewechselt werden.

Hier sind die drei Hauptgründe, warum das für die Fahrsicherheit entscheidend ist:

1. Absinken des Siedepunkts (Gefahr von Dampfblasenbildung)

Dies ist der wichtigste Sicherheitsaspekt. Bremsen wandeln Bewegungsenergie durch Reibung in Wärme um. Dabei können an den Radbremszylindern und Bremssätteln Temperaturen von mehreren hundert Grad entstehen.

  • Trockensiedepunkt: Neue Bremsflüssigkeit hat einen hohen Siedepunkt (z. B. über 230 °C bei DOT 4).
  • Nasssiedepunkt: Je mehr Wasser die Flüssigkeit aufnimmt, desto stärker sinkt dieser Siedepunkt. Schon ein Wasseranteil von 3 % kann den Siedepunkt auf ca. 150 °C senken.

Das Problem: Wenn die Bremsflüssigkeit zu heiß wird und das darin gebundene Wasser zu kochen beginnt, entstehen Dampfblasen. Da Gase (Dampf) im Gegensatz zu Flüssigkeiten komprimierbar sind, tritt man beim Bremsen ins Leere. Das Bremspedal lässt sich bis zum Boden durchtreten, ohne dass ein nennenswerter Bremsdruck aufgebaut wird – die Bremse fällt aus.

2. Korrosionsgefahr

Wasser im Bremssystem fördert die Korrosion von innen. Die Bremsanlage besteht aus verschiedenen Metallteilen (Bremsleitungen, Kolben in den Bremssätteln, ABS-/ESP-Hydraulikblock).

  • Das Wasser greift diese Bauteile an und führt zu Rostbildung.
  • Rostpartikel können die feinen Kanäle im ABS-Block verstopfen oder die Dichtungen der Bremskolben beschädigen, was zu Undichtigkeiten oder festsitzenden Bremsen führt.

3. Beeinträchtigung der Viskosität

Moderne Fahrassistenzsysteme wie ABS und ESP arbeiten mit extrem schnellen und präzisen Druckimpulsen. Damit diese Systeme auch bei extremer Kälte einwandfrei funktionieren, muss die Bremsflüssigkeit eine genau definierte Fließfähigkeit (Viskosität) besitzen. Ein zu hoher Wasseranteil kann die Schmiereigenschaften und das Fließverhalten bei niedrigen Temperaturen negativ beeinflussen.


Wie gelangt das Wasser ins System?

Obwohl das Bremssystem ein geschlossenes System ist, ist es nicht "diffusionsdicht". Feuchtigkeit dringt ein durch:

  • Die Belüftungsöffnung im Deckel des Ausgleichsbehälters.
  • Mikroskopisch kleine Poren in den Bremsschläuchen.
  • Dichtungen an den Radbremszylindern.

Empfehlung

Die meisten Fahrzeughersteller schreiben einen Wechsel der Bremsflüssigkeit alle zwei Jahre vor, unabhängig von der Fahrleistung. In der Werkstatt kann der Wassergehalt zudem mit einem Testgerät (Siedepunkt-Tester) präzise gemessen werden. Ab einem Wassergehalt von ca. 3 % ist ein sofortiger Austausch zwingend erforderlich.