Warum begünstigt Rindenmulch die Entstehung von Fäulnis an direkt berührten Pflanzenstämmen?
Dass Rindenmulch bei direktem Kontakt zu Pflanzenstämmen Fäulnis begünstigt, liegt an einer Kombination aus physikalischen, biologischen und chemischen Faktoren. Der Stammgrund (der Übergang zwischen Wurzel und Stamm) ist physiologisch nicht darauf ausgelegt, dauerhaft in einem feuchten, dunklen Milieu zu stehen.
Hier sind die Hauptgründe im Detail:
1. Der „Schwamm-Effekt“ (Dauernässe)
Rindenmulch ist darauf ausgelegt, Feuchtigkeit im Boden zu halten. Er wirkt wie ein Schwamm. Wenn der Mulch direkt am Stamm anliegt, wird die Rinde permanent feucht gehalten.
- Die Folge: Im Gegensatz zu Wurzeln ist die Rinde am Stamm für den Kontakt mit Luft und für das Abtrocknen nach Regen konzipiert. Durch die Dauernässe quillt das Gewebe auf und wird weich (Mazeration). Die natürliche Schutzbarriere der Rinde geht verloren.
2. Mangelnder Gasaustausch (Sauerstoffmangel)
Pflanzengewebe, auch die Rinde am Stammgrund, benötigt Sauerstoff für den Zellstoffwechsel. Eine dicke Schicht Rindenmulch schließt den Bereich luftdicht ab.
- Die Folge: Es entsteht ein anaerobes (sauerstoffarmes) Milieu. Dies schwächt die Zellen der Pflanze und begünstigt gleichzeitig Mikroorganismen, die ohne Sauerstoff gedeihen und Fäulnisprozesse vorantreiben.
3. Konzentration von Zersetzungsorganismen
Rindenmulch ist totes organisches Material, das von Natur aus von Pilzen und Bakterien zersetzt wird. Der Mulch ist also eine aktive Brutstätte für Destruenten.
- Die Folge: Wenn diese Pilze und Bakterien durch den direkten Kontakt auf eine durch Feuchtigkeit aufgeweichte und geschwächte Baumrinde treffen, können sie leichter in das lebende Gewebe eindringen. Es kommt zu Krankheiten wie der Kragenfäule (Phytophthora) oder anderen Pilzinfektionen, die die Leitungsbahnen der Pflanze zerstören können.
4. Wärmestau
Unter einer Mulchschicht ist es meist wärmer als an der freien Luft. Die Kombination aus Wärme und Feuchtigkeit ist das ideale Klima für Fäulniserreger.
5. Unterschlupf für Schädlinge
Die Mulchschicht direkt am Stamm bietet Nagetieren (wie Wühlmäusen) oder Insekten Schutz.
- Die Folge: Diese Tiere fressen oft die Rinde an. Die dadurch entstehenden Wunden sind bei dem feuchtwarmen Klima unter dem Mulch die perfekten Eintrittspforten für Fäulnispilze.
Die chemische Komponente (Gerbstoffe)
Frischer Rindenmulch enthält oft noch Gerbstoffe und organische Säuren. Diese dienen dem Baum eigentlich als Schutz, können aber in hoher Konzentration bei direktem Kontakt und ständiger Feuchtigkeit die junge Rinde anderer Pflanzen chemisch reizen und schädigen.
Fazit & Prävention
Um Fäulnis zu vermeiden, gilt in der Gartenpflege die goldene Regel: „Den Stammfuß immer freilassen!“
- Abstand halten: Halten Sie einen Radius von ca. 5 bis 10 cm um den Stamm oder die Basis von Sträuchern frei von Mulch.
- Kegel vermeiden: Mulch sollte niemals wie ein Vulkan um den Stamm aufgehäuft werden.
- Alternative: Direkt am Stamm kann man stattdessen eine dünne Schicht Kies oder Sand ausbringen, falls man aus optischen Gründen keine nackte Erde sehen möchte, da diese Materialien schnell abtrocknen.